Gedenktag der Hl. Katharina von Alexandria - Ein Vorbild für die eigene Lebensführung

Am 25. November wiederholt sich wie jedes Jahr der Gedenktag der Hl. Katharina von Alexandria. Als Protestant bete ich zwar nicht zu dieser Heiligen, aber als Vorbild für die eigene Lebensführung dient sie mir trotzdem. Außerdem nimmt sie ein weibliches Rollenmodell vorweg, dass ich als sehr modern und gleichberechtigt bezeichnen würde. Laut der Legende soll die Heilige Katharina als Königstochter hochgebildet und unermesslich reich gewesen sein. Beides machte sie unabhängig und selbstbewusst, so dass sie es wagte, sich männlicher Dominanz zu entziehen und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Sie weigerte sich, eine Zwangsehe einzugehen und wies die klügsten Männer ihrer Zeit im intellektuellen Wettstreit in ihre Schranken. Sie hatte aus freien Stücken entschieden, ihr Leben allein Jesus Christus weihen und sich ansonsten niemandem unterwerfen zu wollen. Vor so viel Mut und Eigenständigkeit habe ich großen Respekt.

Leider muss ich aber immer wieder entsetzt feststellen, wie schlecht und manchmal sogar regelrecht aggressiv auch heute noch ein Teil meiner Geschlechtsgenossen auf Frauen reagiert, die eine klare Haltung vertreten, klüger und finanziell so unabhängig sind, dass sie Nein sagen können, wenn sie Nein sagen wollen. Der in seinem Stolz gekränkte Kaiser Maxentius ließ der Legende nach der Hl. Katharina nach deren wiederholter Verweigerung die Brüste abreißen. Heute würde man das wohl als sexualisierte Gewalt bezeichnen. An diesem männlichen Reaktionsmuster hat sich leider zu wenig geändert. Gerade im Bereich von Internet und Social Media sehen sich in der Öffentlichkeit stehende Frauen regelmäßig und in schockierendem Ausmaß mit dieser Form der Gewalt konfrontiert. Die männlichen Täter sitzen frustriert zuhause und verstecken sich hinter der Anonymität ihrer zahlreichen Fake-Accounts. Nach der Statistik des Bundeskriminalamts ist der gefährlichste Ort für eine Frau übrigens die eigene Wohnung und der gefährlichste Moment der, in dem sie sich von ihrem Partner oder Ehemann trennt. Der Hass auf Frauen gehört außerdem zum festen Repertoire rechtsextremer Ideologie. Eigene Minderwertigkeitskomplexe und Versagensängste in Kombination mit sexueller Frustration und Weltverschwörungsphantasien ergeben einen gefährlichen Cocktail. Als Sündenböcke dienen den zumeist männlichen Tätern Juden, Homosexuelle, Ausländer und eben Frauen, die es wagen, sich zu entziehen.
Die Hl. Katharina begegnet diesem äußeren Druck aus Gewalt und Einschüchterung mit einer klaren Haltung: Sie reagiert nicht mit Gewalt auf Gewalt, macht sich nicht die niederträchtigen Methoden ihrer Feinde zu eigen, sondern wirbt hartnäckig für ihre Überzeugung mithilfe der besseren Argumente. Ich denke, das ist eine Haltung, die man sich tatsächlich zum Vorbild nehmen kann.

Ihr
Dr. Uwe Kirschstein