In kommunaler Hand – nämlich in der des Landkreises Forchheim - bleibt das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz auch nach einem angestrebten Eigentümerwechsel, der sich in der kommenden Woche im Finanzausschuss des Forchheimer Stadtrates am 17. Juni 2026 anbahnt. Konkret wird dies mit einer Beschlussvorlage der Stadtverwaltung, die dem Forchheimer Stadtrat und der Presse dieser Tage zugeht: Wenn der Stadtrat entsprechend beschließt, sollen die Gesellschafteranteile der Stadt Forchheim an der Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz gGmbH noch in diesem Jahr 2026 an den Landkreis Forchheim übertragen werden.
Aktuell ist die Stadt Forchheim über die Vereinigten Pfründtnerstiftungen zu fünfzig Prozent am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz beteiligt. Die andere Hälfte der Anteile gehört schon dem Landkreis Forchheim Mit einer Übertragung aller Gesellschafteranteile an den Landkreis wird dieser zu hundert Prozent Eigentümer des Klinikums. Die Stadt Forchheim strebt diese, für sie selbst schmerzliche, Entscheidung an, um den städtischen Haushalt von einer nicht mehr finanzierbaren freiwilligen Aufgabe zu entlasten. Gleichzeitig erreicht sie damit, dass die Zukunft des Klinikums über den wirtschaftlich starken Landkreis weiter gesichert ist. Oberbürgermeisterin Martina Hebendanz erklärt die Situation der Stadt Forchheim:
„Im Haushalt der Stadt Forchheim handelt es sich bei der Zahlung des Verlustausgleiches für das Klinikum um die größte freiwillige Leistung der Stadt. Pro Tag muss die Stadt Forchheim aus ihren Mitteln für eine eigentlich freiwillige Aufgabe 20.547 Euro beisteuern. Aktuell bezahlt der Forchheimer Steuerzahler laut Vertrag fünfzig Prozent des Verlustes, nämlich 7,5 Millionen Euro, dazu kommen noch einmal 1,77 Millionen Euro über die Kreisumlage, das sind zusammen 9,27 Millionen Euro. Somit beläuft sich der Pro-Kopf-Anteil je Forchheimer Bürger und Bürgerin auf ca. 280 Euro bei einer Einwohnerzahl von 33.000. Die Landkreisbürger hingegen bezahlen für das Klinikum gerechnet auf 85.000 Einwohner einen Pro-Kopf-Anteil von ca. 67 Euro. Das bedeutet eine Mehrbelastung um das Vierfache für Forchheim.“
Da die finanzielle Lage der Stadt Forchheim aber bekanntermaßen nicht rosig aussieht, muss sich die Stadt überlegen, ihre Gesellschafteranteile am Klinikum abzugeben, so die Oberbürgermeisterin:
„Nachdem der Stadt von der Kommunalaufsicht die Pflicht auferlegt wurde, freiwillige Aufgaben hintanzustellen, weil diese im Finanzplan nicht leistbar sind und auch eine Genehmigung für Kreditaufnahmen nicht mehr in Aussicht gestellt wird, müssen wir nun entscheiden, ob wir unsere Anteile am Klinikum an den Landkreis abgeben. In der Folge einer solchen Entscheidung werden wir, die Stadt Forchheim, uns selbstverständlich in vollem Einsatz weiter für das Klinikum engagieren bis der Übergang auf den Landkreis vollzogen ist. Auch danach werden wir, wenn auch nicht mehr als Gesellschafterin, uns langfristig und gerne über die Kreisumlage am Klinikum beteiligen. Auch nach „Andienung“ unserer Anteilsrechte an den Landkreis dürfte die Gesundheitsversorgung in Stadt und Landkreis nicht gefährdet sein, weil die Stadt Forchheim ja dann, so wie jede andere Kommune des Landkreises auch, über die Kreisumlage an den Verlusten beteiligt wäre."
Nun stellt sich der Finanzausschuss der Stadt Forchheim einer endgültigen und verbindlichen Entscheidung - nach den Vorgaben des Konsortialvertrages zur Klinikfusion 2018 - die Geschäftsanteile der Stiftung an der Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz gGmbH noch im Jahr 2026 an den Landkreis abzugeben. Mit Landrat Hanngörg Zimmermann hat Oberbürgermeisterin Martina Hebendanz schon unmittelbar nach ihrem Amtsantritt darüber gesprochen:
„Mit Herrn Landrat Zimmermann fand ein gutes Gespräch in einer vertrauensvollen, offenen Atmosphäre statt. Wir haben ihn über den Sachstand und über die bislang gefassten Beschlüsse des Stadtrats zu diesem Thema informiert und ihm diese Beschlussvorlage erläutert.“
Für die Stadt Forchheim ist der Zeitplan von enormer Bedeutung: Können ihre Gesellschafteranteile noch bis zum Jahresende 2026 abgegeben werden, ist im Prinzip geregelt, dass der Landkreis die Verluste des Übernahmejahres und die Verluste des vorangegangenen Wirtschaftsjahres zu übernehmen hat. Im Wirtschaftsjahr 2025 hat das Klinikum nach aktuellen Zahlen einen Verlust in Höhe von 15 Millionen Euro zu verkraften. Die Stadt muss (über die Stiftung) die Hälfte davon, also 7,5 Millionen Euro ausgleichen. Nach einer erfolgten Übertragung im Jahr 2026 müsste der Landkreis das übernehmen. Über die Kreisumlage würde die Stadt Forchheim als größte Kommune des Landkreises davon immerhin noch ca. 33 Prozent (5 Millionen Euro) tragen.
Für den Betrieb des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz, das den Erweiterungsbau am Standort Forchheim mit der neuen Kardiologie zu Jahresbeginn in Betrieb nahm,
aktuell die neue Intensivstation und den vierten OP-Saal eröffnet, heuer noch die neue zentrale Notaufnahme startet sowie die nachhaltige Modernisierung des Klinik-Standorts Ebermannstadt als nächsten Step in den Blick nimmt, wird sich aus diesen Vorgängen keine Änderung ergeben, so bestätigte auch kürzlich Klinikum-Geschäftsführer Sven Oelkers: „Für unsere Patienten und für unsere Mitarbeiter würde sich durch einen möglichen Ausstieg der Stadt Forchheim aus dem Gesellschafterkreis nichts ändern!“
