Traditionelle Bewässerung der Wässerwiesen in Franken
Wässerwiesen sind landwirtschaftlich bewirtschaftete Grünlandflächen, die in den Sommermonaten temporär überflutet werden. Das Wasser wird mit Hilfe von Wehren im Fluss angestaut und über Grabensysteme auf die Wiesen geleitet. Weitere Stauwehre setzen die Bewässerung in der Fläche fort. Allein über die Schwerkraft werden die oberen Bodenschichten durchfeuchtet. Die ca. 200 ha aktiven Wässerwiesen im unteren Wiesenttal tragen zum Hochwasserschutz der Stadt Forchheim bei und wirken sich durch die Grundwasseranreicherung positiv auf die Trinkwasserversorgung aus.

Tradition
Die traditionelle Bewässerung beruht seit Jahrhunderten auf Erfahrung, das Wissen ist häufig innerhalb der landwirtschaftlichen Familien von Generation zu Generation weitergegeben worden. Dabei handelt es sich um eine bedarfsorientierte Bewässerungsform, die zu Niederschlagszeiten nur eine eingeschränkte Anwendung findet. Die Kenntnis über den richtigen Wässerzeitpunkt ist essentiell, um weitreichende Überflutungen oder ungleichmäßige Verteilungen zu verhindern. Mit dem richtigen Handwerk werden die Strukturen gepflegt und in Stand gehalten. In Satzungen ist dieses Wissen festgeschrieben, mit Wasserrechten belegt. Ein lebendiges Wassermanagement, das landwirtschaftliche Strukturen seit Jahrhunderten erhält und die Identität der Kulturlandschaft maßgeblich prägt.
Kulturerbe
Die UNESCO hat 2023 dieses Wissen, die Technik und die Organisation der Traditionellen Bewässerung in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Die fränkischen Trägerschaften sind gemeinsam mit den Queichwiesen (Südpfalz), mit repräsentativen Strukturen in Österreich, Italien, Schweiz, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden gelistet. International wird das Wissen im „Internationalen Zentrum der Traditionellen Bewässerung in Europa (IZTB)“ im Kloster St. Urban in der Schweiz gesammelt. Dabei übernimmt die Stadt Forchheim eine strategische Rolle für die langfristige Erhaltung der traditionellen Bewässerung innerhalb der EU.


Gästeführungen
Gästeführungen machen diese jahrhundertealte Praxis erlebbar.
Dabei eröffnen sich faszinierende Einblicke in das Zusammenspiel von Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Naturschutz.
Die historischen Grabensysteme, die seit Jahrhunderten genutzt werden, zeigen eindrucksvoll, wie nachhaltig bewirtschaftete Kulturlandschaften auch in Zeiten des Klimawandels zur Lösung beitragen können.
Mit einer abschließenden Schauwässerung wird dieses Wissen praxisnah in Erinnerung bleiben.
Termine und Anmeldung finden Sie über die Touristik-Information der Stadt Forchheim.
