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Vor 100 Jahren: Serlbach wird erster Stadtteil von Forchheim

Das kleine Dorf Serlbach mit ruhiger Lage nordöstlich des Kellerwalds gilt den meisten Forchheimern als Begriff für angenehme und günstige Gastlichkeit. Doch kann der beschauliche Ort auch auf eine lange und interessante Historie zurückblicken, die seit dem 1. Januar 1926 ein Teil der Forchheimer Stadtgeschichte ist. An diesem Tag trat nämlich die vom Staatsministerium des Innern genehmigte Umgemeindung Serlbachs von Reuth nach Forchheim in Kraft. Diese war von den Einwohnern des Dörfchens betrieben worden, was auch ein Gedicht, das von Anna Distler (Jg. 1876, geb. Lochner) seinerzeit verfasst und von Anton Distler vorgetragen wurde, zum Ausdruck bringt.
 

Bindungen an Forchheim

Als im Jahr 1808 das Königreich Bayern neue Steuerdistrikte und Gemeinden bildete, schlug man Serlbach der Landgemeinde Reuth zu. Möglicherweise hatte dies mit der Lage Serlbachs im staatlichen Forstareal Auerberg zu tun, das von Reuth aus verwaltet wurde. Doch in den 1920er Jahren entwickelte sich Forchheim durch das Siedlungsprojekt Lichteneiche über die Bahnlinie Nürnberg-Bamberg hinaus nach Nordosten. Durch den sog. „Fürstenweg“, der Mitte des 18. Jh. im Zusammenhang mit dem Bau der Jägersburg entstanden war, gestaltete sich die Verkehrsanbindung nach Forchheim ohnehin seit Längerem günstiger als jene über die Hut nach Reuth. Auch seelsorgerisch gehörten die Serlbacher, durchwegs Katholiken, schon immer nach Forchheim, und zwar bis 1803 zum St. Katharinenspital, dann zur Stadtpfarrei St. Martin. Die politische Umgemeindung entsprach also durchaus den realen Lebensverhältnissen. 
 

Geschichte und Ortsname

Werfen wir ein paar Blicke auf die Lokalgeschichte. Ein erstes Zeugnis für die Anwesenheit des Homo sapiens darf im kostbaren Depotfund von Serlbach gesehen werden. Dieser wird dem 17. Jh. v. Chr., also der frühen Bronzezeit, zugeordnet und enthält gut gearbeitete Beile und Lanzenspitzen jenes neuen Materials – vielleicht eine Opfergabe an die Götter. Der Nachweis für eine dauerhafte Siedlung mit dem heutigen Namen Serlbach erfolgt jedoch erst viele Jahrhunderte später und ist zudem unsicher. 

Eine Urkunde von 1062, mit der der junge König Heinrich IV. die Rückgabe des einstigen Königsgutes Forchheim an das Bistum Bamberg besiegelt, enthält die Nennung eines Ortes Sconenerelahe. Dieser Name könnte durchaus unser Serlbach meinen, wofür die gleichzeitige Aufführung weiterer Ortsnamen spricht, die eindeutig in den Raum Forchheim gehören. Der erste zweifelsfreie Beleg stammt erst aus dem Jahr 1303, als der Ritter Otto v. Fellendorf bestimmt, dass das Forchheimer Katharinenspital in Genuss eines Zehnten zu Wohlmannsgesees oder ersatzweise zweier Güter u.a. zu Serlbach kommen soll. 

Der Beleg von 1062 ist problemlos als ‚Zum schönen fließenden Wasser mit Erlenbewuchs‘ zu deuten. Davon ausgehend, könnte auch in Serlbach das Wort ‚Erle‘ stecken, man denke an den Namen des nahen Örtlbergs (=Erlberg). Serlbach würde sich dann als eine Verschmelzung *Zerlbach aus *Zum Erlbach erklären, wobei das anlautende *Z- zu S- abgeschwächt wurde. Eine andere Deutung sieht eine Ursprungsform *Saharila zu althochdeutsch sahar‚ Riedgras, Schilf‘ mit Anfügung von -bach. Letztliche Gewissheit über die Herkunft des Namens werden wir wohl nicht erhalten, wenn auch die Herleitung von ‚Erle‘ als wahrscheinlich anzunehmen ist.
 

Alte Grundherrschaften

Am Ende des Alten Reiches, also etwa 1800, bestehen in Serlbach folgende Grundherrschaften: das St.-Elisabeth-Spital Bamberg über sechs Güter und zwei Häuser, das Kollegiatstift St. Stephan Bamberg über sieben Güter und die Dorfgemeinde Serlbach über ein Haus, und zwar das des Gemeindehirten. Vier Güter und zwei Häuser waren freies Eigen. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft stand dem bambergischen Obervogteiamt Forchheim zu, die Landeshoheheit übte das Forchheimer Centamt für das Hochstift Bamberg aus. Die Verhältnisse in frühbayerischer Zeit haben wir eingangs geschildert. 

Denkmale

Als bedeutendstes Denkmal neben dem Anwesen Serlbach 6 und einem Flurheiligtum (Marter 17. Jh.) darf die 1948 errichtete Kapelle St. Marien gelten.

Die Ausstattung ist jedoch älter, so stammt der hölzerne Altaraufbau aus den 2. Viertel des 19. Jh., das Kruzifix aus dem 17. und die Figuren des hl. Wendelin (Schutzpatron der Hirten) aus dem frühen 19. sowie der hl. Anna aus der Mitte des 18. Jh.
 

Wein aus Serlbach

In den 1830er Jahren nahm der Weinbau im östlichen Franken durch extreme Kälteeinbrüche einen schweren Schaden, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Betroffen waren die Kulturen in Reuth und Burk sowie wohl auch die von Serlbach.

Noch 1830 erfuhren diese aufgrund ihrer Qualität, die gewiss in Relation zu setzen ist, Berichten zufolge hohe Wertschätzung. Dies mag erstaunen, da die Serlbacher Ortsflur im Gegensatz etwa zum Reuther Bischofsberg keine Südlage aufweist. Auch fehlen entsprechende Flurnamen.

Möglicherweise erwies sich die Bodenbeschaffenheit als gut geeignet. Jedenfalls ist bereits für das Jahr 1328 die Umwandlung eines Ackers zur Weinbaufläche überliefert.

Serlbacher Flurnamen

Bei nachstehender Auflistung stützen wir uns auf die Flurnamensammlung von 1920 bzw. 1935 des ehem. Reuther Hauptlehrers Georg Kaffer für die Ortsflur Serlbach als Teil der Gemarkung Reuth. Die Richtungsangaben beziehen sich auf die Lage in der Flur. 

  1. Ängerlein, Acker und Wiese, Osten; Verkleinerung von Anger ‚Dorfwiese‘.

  2. Bachwiese, Wiese, Westen; ‚Am Bach gelegene Wiese‘.

  3. Bäuerlacker, Acker, Südosten; ‚Acker eines Bäuerlein‘, entweder Familienname Bäuerlein oder Bezeichnung eines Kleinbauern.

  4. Bürgerwald, am, Acker, Süden; bezieht sich auf den der Forchheimer Bürgerschaft gehörigen Wald.

  5. Erntswies, Acker, Süden; am ehesten verschrieben zum Personennamen Ernst im 2. Fall Einzahl, möglich auch Familienname als verderbte Form zu Arend.

  6. Eggeten, Acker, Südwesten; zu Egerte, ‚Brachland‘.

  7. Gernackerholz, Acker und Wald, Süden; Gerenäcker (zu gēr ‚Speer‘) bezeichnen sich verjüngende (speerförmige) Flurformen. Das Grundwort -holz steht für ‚Wald‘.

  8. Großmelmacker; Acker, Nordosten; zu Malm, Melm, ‚Staub, Sand‘, groß im Vergleich zu Flur Nr. 12.

  9. Hinterfeld, Acker, Osten; aufgrund der hinteren (‚äußeren‘) Lage.

  10. Höfleinswies, Acker, Nordwesten; zu einem kleinen Hof gehörige Wiese.

  11. Hutwies, Wiese, Südosten; aufgrund der Lage an der Reuther Hut (Hut ist ein Platz, an dem das Vieh gehütet wird und weiden kann). 

  12. Melm, Acker, Südosten; s.o. Nr. 8

  13. Panschacker, Acker, Nordwesten; evtl. bildlich wegen der Flurgestalt zu Bansch ‚Dickbauch‘ oder Zusammenhang mit pantschen ‚vermischen‘ wegen eines Mischanbaus.

  14. Roßecken, Wiese und Wald, Südwesten; kann sich auf Röße ‚Flachsröste‘ oder Ross, ‚Pferd‘ beziehen, -ecken könnte eine vorspringende Flurform bezeichnen.

  15. Steinfeld, Acker und Wiese; Norden; wegen steiniger Bodenbeschaffenheit. 

  16. Steingraben, Acker und Wald, Osten; s. Nr. 15, -graben für längliche Vertiefung im Gelände, ob gewässert oder trocken. Zu Stein-  s. Nr. 15.

  17. Strömig, Wald, Norden; verschrieben zur Störmig, Stelle, an der es stürmt? Die Senkung -ü­- zu -ö- hätte eine mundartliche Basis.

  18. Stumpfholz, Wald, Südwesten; Stumpf weist wohl auf abgeschlagene Bäume hin, möglicherweise handelt es sich um einen Rodungsnamen. Holz- könnte sich auf den nachgewachsenen Wald beziehen.
     

Erinnerungen und Streiflichter

Davon, dass Serlbach schon immer als beliebtes Einkehrziel wahrgenommen wurde, war bereits eingangs die Rede. Neben der noch heute bestehenden Gaststätte „Zu den Linden“, die bis 1962 im östlich gegenüberliegenden Stammhaus der Familie Stähr (jetzt Kreller) betrieben wurde, erfreute sich auch die am westlichen Ortseingang befindliche „Waldesruh“ guten Zuspruchs; das Gebäude wird heute als Wohnhaus genutzt. Zuletzt (1980er Jahre) hatte sich hier ein türkisches Restaurant etabliert, das geschlossenen Gesellschaften sogar das Erlebnis eines Bauchtanzes anbot. Im Saal hingen die Portraits von Kemal Atatürk und Franz Josef Strauß einträchtig nebeneinander. Viele Forchheimer nutzten die Sonntage zu einem Spaziergang nach Serlbach mit Besuch eines der beiden Lokale als Höhepunkt. Ebenso endeten manche Schulwandertage in der Serlbacher Gastronomie. – Sehr beliebt waren auch die Hausmacher-Wurstwaren hiesiger Provenienz, etwa die frische Mettwurst vom Metzger Knorr; anlässlich einer Schlachtschüssel-Partie im „Linden“-Gasthaus konnten sie frisch erworben und mitgenommen werden. – Mit der Familie Knorr von Serlbach verbindet sich auch ein tragisches Ereignis. Am 24. Juli 1929 ertranken beim Schwemmen ihrer Pferde die Söhne Michael und Georg in der Regnitz. An das Unglück erinnert die sog. „Knorrsmarter“, die bei Burk am westlichen Ufer des heutigen Kanals errichtet wurde. – Ein Serlbacher Unikum, das über den kleinen Ort hinaus von sich reden machte, war die Batzn Kundl(Kunigunde Batz), die den meisten nur als „Husara“ (‚Husarin‘) bekannt war. Charakteristisch war ihr nassforsches, resolutes Auftreten, das auf keine Etikette Rücksicht nahm. Besonders bekam dies ihr Mann zu spüren, wenn er sich nicht in die ehelichen Spielregeln fügte. Die „Husara“ verstarb in den 1980er Jahren. Woher ihr Spitzname rührte, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Vielleicht war dieser bildlich zu verstehen oder er spiegelte die Beziehung ihres Gatten zu jener Reitergattung. In der Erbhuldigungsliste von 1750 findet sich unter den Serlbachern ein Hans Engel gewesener Hussar – das ursprünglich ungarische Wort bezeichnet einen Lanzenreiter. Diese Art leichter Kavalleristen stand in hohem Ansehen, was erklären würde, dass der Begriff als Hausname auf ein Anwesen übergehen konnte. – Der Ort hat bis heute seine ländliche Prägung erhalten, was sich auch darin äußert, dass er den größten Landwirt des Stadtgebietes beheimatet.

Stadtheimatpfleger
Dr. Dieter George

Der Verfasser dankt Herrn Anton Distler, Serlbach 20, Herrn Matthäus Endres (Serlbach 13) und Frau Miriam Mulzer M.A. vom Stadtarchiv Forchheim für freundliche Unterstützung.
 

Literatur

ABELS Björn-Uwe, Vorgeschichte im Raum Forchheim, in: Ammon Hermann, Forchheim in Geschichte und Gegenwart […], Bamberg 2005, S. 11-17, hier: S. 12f.
ANDRASCHKE Joachim, Die germanisch-frühdeutschen Ortsnamen des Regnitz- und Obermaingebietes […] (Schriftenreihe des Historischen Vereins Landkreis Haßberge e.V. 16 […]), Haßfurt 2016, S. 341.
BOG Ingomar, Forchheim (Historischer Atlas von Bayern Teil Franken, Heft 5), München 1955, S. 82 und 123.
BREUER Tilmann, Stadt und Landkreis Forchheim (Bayerische Kunstdenkmale XII), München 1961, S. 72.
GEORGE Dieter, Forchheim. Der Altlandkreis und die ehemals kreisfreie Stadt (Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Teil Oberfranken), Ortsartikel Serlbach [Band in Vorbereitung].
KARNBAUM Anton, Vom Wein- und Hopfenbau im Forchheimer Land, in: Der Königshof […], 1. Jahrgang (1928), Nr. 4 und 5, S. 28 und 37.
KNÖRLEIN Georg, Die grundherrschaftlichen Verhältnisse in den Forchheimer Stadtteilen […], in: Ammon [wie oben unter ABELS], S. 275-278.
SCHNETZ Joseph, Flurnamenkunde […], München 31997, S. 18, 38 und 65.