Fett im Abwasser verursacht unerwünschte Folgen

Die Feiertage sind vorüber und ich hoffe, Sie haben es sich genauso wie ich mit Familie und Freunden schön gemacht. Für mich gehört zu den Festtagen eine üppig gedeckte Tafel, an der alle fröhlich miteinander reden und essen. Die Geschmäcker gehen dabei bekanntlich weit auseinander und während die einen gerade das stundenlange gemeinschaftliche Kochen zuhause zelebrieren, lieben es die anderen, sich im Restaurant verwöhnen zu lassen. Wie auch immer, die meisten Deutschen ziehen saftig Gebratenes und knusprig Frittiertes nicht nur auf ihrem Festtagsteller fettlos Gedämpftem vor. Was ich als Privatperson kulinarisch durchaus nachvollziehen kann, bereitet mir als Oberbürgermeister allerdings einiges Kopfzerbrechen. Das Problem lautet nämlich: Fett.

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) hat durch Messreihen festgestellt, dass in einem Restaurant pro Mahlzeit ca. 35 Gramm Fett im Abwasser landen. In der gehobenen Gastronomie kann dies sogar auf bis zu 62 Gramm pro Mahlzeit ansteigen. Sicher kennen Sie das Phänomen von Fettresten in Pfannen und Fritteusen auch aus ihrer eigenen Küche und wissen, dass die Menge daran nach einem gelungenen Festmahl besonders hoch sein kann.

Noch immer wird zu viel Fett in Form von Speiseölen, Speisefetten und Fritteusenölen aus Gastronomie, Hotel- und Großküchen sowie Privathaushalten über Ausgüsse und Toiletten ins Abwasser entsorgt und gelangt so in Kanalisation und Kläranlagen. Fett ist jedoch im Abwasser unlöslich und begünstigt biogene Schwefelsäurekorrosion. Fett frisst sich also mit der Zeit sogar durch Beton und andere Materialien. Chemische Prozesse können regelrecht Fettexplosionen im Kanalnetz verursachen und die dort immer mächtiger werdenden Fettschichten an Boden und Wänden verstopfen Rohre, Pumpen und Schieber. Die Reinigung ist für das Personal der Stadtwerke nicht ungefährlich und verursacht hohe Kosten, da kaum Maschinen eingesetzt werden können.

Inzwischen verfügen in Forchheim ca. 70% der dazu verpflichteten Betriebe einen vorgeschriebenen Fettabscheider, der mechanisch Fett und andere Grobstoffe aus dem Abwasser filtert. Es besteht also noch Handlungsbedarf. Auch die Privathaushalte könnten mehr tun. Fettige Pfannen ganz einfach zuerst mit Küchenpapier auswischen, bevor man sie zum Spülen gibt. Das Küchenpapier kommt danach in die Restmülltonne. Größere Mengen an erkalteten Ölen und Fetten lassen sich gut in Plastikflaschen abfüllen, die möglichst mit Küchen- oder Zeitungspapier umwickelt, ebenfalls im Restmüll landen sollten. Auf keinen Fall gehört Fett auf den Kompost oder in die Biotonne!

Altes ranziges Fett stinkt nicht nur, sondern lockt auch Ratten an. Die schlauen Nager schätzen Fett nämlich genau wie wir als Aroma- und Geschmacksträger sowie wegen seiner hohen Energiedichte. Da freilebende Ratten aber Nahrungsschädlinge sowie potenzielle Krankheitsüberträger sind, sollte man ihre Population möglichst gering halten. Wer Fett und andere Lebensmittel unsachgemäß lagert oder entsorgt, füttert Ratten an und verursacht damit erst die Probleme mit diesen natürlichen Zivilisationsbegleitern.

Ihr
Dr. Uwe Kirschstein