Verbesserter Hochwasserschutz für die Stadt Forchheim

Heute stellt sich nicht mehr die Frage, ob der Klimawandel existiert oder nicht, denn er ist bereits da. Mit ihm werden in Zukunft voraussichtlich extreme Wetterereignisse zunehmen. Nach einer repräsentativen Umfrage unter Hausbesitzern aus dem Jahr 2016 fühlten sich damals Bundesbürger*innen noch relativ sicher und hielten mit 90% Feuer für die größte Gefahr für ihr Wohneigentum. Nur 12% der Befragten nannten Überschwemmungen. Ich vermute, das wird sich durch die Abfolge von Dürreperioden und Starkregen zukünftig ändern.

Für alle Menschen, die professionell mit dem Thema Sicherheit umgehen, gibt es einen Grundsatz: Wenn etwas nicht sicher ist, dann stellt sich nicht die Frage, ob ein Schadensfall eintreten wird, sondern nur wann dieser eintreten wird. Wer sich einer Gefahr bewusst ist, muss also handeln und kann nicht sehenden Auges warten, bis der nächste Schadensfall eintritt. Alles andere wäre aus meiner Sicht mindestens im moralischen Sinne verantwortungslos.

Sicher können sich noch viele an den 21. Juli 2007 erinnern, als sintflutartige Regengüsse über Stadt und Landkreis Forchheim herniedergingen und für ein 100-jähriges Hochwasserereignis sorgten. Viele Menschen versuchten verzweifelt ihre Häuser, Autos, Tiere und nicht zuletzt sich selbst vor den gigantischen Wassermassen zu retten. Wie wir wissen, gelang das damals auf tragische Weise nicht jedem.

Damit sich so etwas Schreckliches nie mehr wiederholen könne, begannen Stadtverwaltung und Politik in der Folge intensiv an der Umsetzung eines deutlich verbesserten Hochwasserschutzes für die Stadt Forchheim und allen voran für den Stadtteil Kersbach zu arbeiten. Das zentrale Problem für ein zügiges Voranschreiten dieses Projekts war in den zurückliegenden zwölf Jahren jedoch immer wieder der Erwerb notwendiger Grundstücke, der trotz größter Bemühungen einfach nicht gelingen wollte.

Es ist der Unterstützung und dem Entgegenkommen des Wasserwirtschaftsamts Kronach sowie des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz zu verdanken, dass in der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses vom 22. Juli endlich der gordische Knoten zerschlagen werden konnte, um nun mit einer förderfähigen Ausbauvariante in das weitere Planfeststellungsverfahren für einen verbesserten Hochwasserschutz zu gehen.

Die Variante HQ 100+15% entspricht dem Standard in Bayern und wird zukünftig auch unsere Bevölkerung vor einem 100-jährigen Hochwasserereignis plus 15% Klimazuschlag schützen. Das geplante Rückhaltebecken wird 43.000m³ Wasser aufnehmen und aus dem Aushubmaterial ein ca. neun Meter hoher „Erdhügel“ entstehen. Der Schwolgraben wird ausgebaut und auf die Tieferlegung der Fischweiher verzichtet werden.

Von den geplanten Brutto-Gesamtkosten mit Baunebenkosten und Grunderwerb in Höhe von ca. 5,5 Mio. Euro wird der Freistaat Bayern dank dieser gewählten Variante 3,1 Mio. Euro übernehmen. Es bleibt zu hoffen, dass es nun zügig weitergeht. Schon allein das Planfeststellungsverfahren dürfte laut Experten 9-12 Monate in Anspruch nehmen. Niemand wird die Verantwortung dafür übernehmen wollen, falls beim nächsten 100-jährigen Hochwasserereignis die Baumaßnahme noch nicht fertig sein sollte.

Ihr
Dr. Uwe Kirschstein
Oberbürgermeister