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Metropolregion

Leben findet innen stadt

Kampagne Fairtrade Town

Stadtgespräch

Dr. Uwe Kirschstein

Liebe Forchheimerinnen und Forchheimer,

Bier liegt im Trend und steht wie kaum ein anderes Produkt für das bayerische und fränkische Lebensgefühl, das in den Köpfen vieler vor allem durch Regionalität, Gemütlichkeit, Vielfalt und handwerkliche Tradition geprägt ist. Kein Wunder also, dass in der Vergangenheit Werbe- und Marketingexperten immer stärker auf die Kombination von Bier und Bayern setzen. So auch in der Tourismusbranche und im Stadtmarketing, wo Angebote zum Thema Bier von Jahr zu Jahr zahlreicher werden, um immer mehr Gäste und Kunden in die eigene Stadt oder Region zu locken. Bisher profitieren alle Seiten von dieser Entwicklung, die durch ein expansives Werbejahr wie das zum 500. Jubiläum des Bayerischen Reinheitsgebotes 2016 wohl stark begünstigt wurde.

Gäste und Kunden können sich im Freistaat also über immer vielfältiger werdende Biererlebnisse freuen. Dies liegt genauso an der steigenden Zahl touristischer Angebote wie der an Brauereien. Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2017 in Bayern 642 Betriebe. Gleichzeitig werden heute etwa 6000 verschiedene Biermarken in Deutschland angeboten, und damit gut 1000 mehr als noch vor zehn Jahren. Hierzu trägt die „Craft-Beer“-Bewegung aus den USA, bei der kleine Brauereien eine reiche Vielfalt an handwerklich gebrauten Bieren in überschaubaren Mengen produzieren, einen wichtigen Anteil bei.

Was im Moment gut läuft, muss aber in Zukunft kein Selbstläufer sein. Auch wenn das Interesse an Bier scheinbar steigt, wird in Deutschland tatsächlich nicht mehr Bier konsumiert. Im Gegenteil, der Bierkonsum ist nach Schätzungen der deutschen Brauwirtschaft im Jahr 2017 wieder zurückgegangen, so dass die Branche auf sportliche Großereignisse und tropische Sommermonate hofft. Bei sinkenden Absatzzahlen und gleichzeitig steigender Anzahl an Mitbewerbern und Konkurrenzprodukten wird der Wettbewerb zunehmend härter. Dies gilt für das Brauereiwesen, aber auch für Städte und Regionen, von denen viele in sehr ähnlicher Weise ihre touristische Vermarktung zunehmend auf das Thema Bier konzentrieren. Beide Seiten sind in ihrer Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit inzwischen stark voneinander abhängig und werden gut überlegen müssen, wie sie mittel- und langfristig gemeinsam mit dem demografischen Wandel umgehen sollen. Eine älter werdende Gesellschaft trinkt nämlich nicht nur weniger Bier, sondern benötigt auch dort, wo sie ihr Bier konsumieren soll, eine seniorengerechte Infrastruktur. Dafür wird man wohl an gemeinsamen Zukunftsstrategien und Investitionen arbeiten müssen.

 

 
Ihr

Dr. Uwe Kirschstein