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Kampagne Fairtrade Town

Wie der Marktplatz entstand. Geschichte einer Topographie des alten Forchheimer Südens (Teil 5)

5. Vom Vieh Viehmarkt zum Marktplatz
Der Name Viehmarkt für den neu entstandenen Platz lässt seine damalige Funktion unschwer erkennen. Hierher brachten die Bauern der Stadt und des Umlandes ihr Großvieh (Rinder), um es zu verkaufen. Als günstig erwies sich offenbar die unmittelbare Nähe des 1747, also noch zu Zeiten des Seelgrabens errichteten Schlachthofs (1750 beym neüen schlachthauß)(33).
 
Foto - abgebrochener Schlachthof
(Foto 9)
Der 1974 abgebrochene Schlachthof (ehemaliges Anwesen Marktplatz 10) in einer Ansicht von Südwesten (Foto ca. 1950). Das Gebäude wurde 1747 errichtet (Bildnachweis: StAFo, Baualterskartei (Barbara Wenig)).
 
 
 
 
 
 
 
 
 Dort hatte die Stadt 1750 auch eine neue, besondere Waage eingerichtet, mit der allerdings kein Schlachtvieh, sondern Heu abgewogen wurde. Wie lange diese Stadtwaage in Betrieb war, konnten wir nicht mehr feststellen. Jedenfalls wurde 1931 an der Rückfront der Alten Wache eine neue öffentliche Waage erstellt, die 1971 abgebaut und nach Poxdorf geschafft wurde (34). 1974 wurde auch der Schlachthof am Marktplatz abgebrochen (35), er hatte zuletzt nurmehr der Unterbringung von Marktständen gedient (36). Am Marktplatz bzw. in dessen unmittelbarer Nähe lebten seit dem 19. Jahrhundert auch die Viehhändler Moses Bauer (Marktplatz 5) und Max Bayreuther (Vogelstraße 1) (37). Im Hinblick auf deren Beruf und den Viehhandel auf dem Marktplatz waren diese Anwesen natürlich äußerst günstige Standorte. Vermutlich trieben die Bauern ihr zum Verkauf stehendes Vieh durch die Vogelgasse auf den Marktplatz.
 
Foto - Rückfront der alten Wache
(Foto 10)
Von 1931 bis 1971 befand sich an der Rückfront der Alten Wache auf dem Paradeplatz, also auf der Marktplatz-Seite, die Stadtwaage (Bildnachweis: Fränkischer Tag, wie Anm. 33). Den Kiosk mit Tabakwaren und Zeitschriften betrieb die Familie Backof.
 
 
 
 
 
 
 
 
 Lange zuvor, bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, hatte sich der Marktplatz vom Vieh- zum Schweinemarkt, mundartlich „Säumarkt“ gewandelt. Vornehmlich Ferkel konnte man hier erwerben, aber auch „Geziefer“ (Hühner, Tauben, Enten und Gänse). Bis ca. 1990 hatte sich auf diesem Platz der Taubenmarkt gehalten, ehe er nach Süden in den Bereich der Lände verlegt wurde (38). Das Denkmal in der kleinen Grünanlage an der Rückseite der alten Sparkasse (Marktplatz 19, Baujahr 1935) von Georg Leisgang ist im Übrigen nicht als Anspielung auf den Schweinehandel zu verstehen, sondern stellt einen „Bauer mit Glücksschwein“ in Bezug auf die Sparkasse dar, an deren Vorderseite sich weitere Werke des Künstlers finden (39).33) Baujahr 1747 nach Fränkischer Tag 27. Mai 1971 (Nr. 120) [Verfasser: Alfred Frank]. Originalbeleg von 1750: StAFo, Urbar der Stadtgemeinde Forchheim von 1750 (Amtsbücher 1), fol. 109 r.
 
Foto - Rummel auf dem Marktplatz
(Foto 11)
Rummel auf dem Marktplatz: Der Anlass für das fröhliche Treiben, „Weißer Sonntag“ oder „Allerweltskirchweih“, ist leider nicht mehr feststellbar. Wie unsere Fotografie zeigt, waren ganze Familien auf den Beinen, um dem Vergnügen mit Karussell und Schiffschaukel zu frönen oder wenigstens zuzuschauen. Die Aufnahme wurde nach 1935 gemacht, dem Jahr, in dem die Sparkasse (Marktplatz 19) mit ihrer rückwärtigen Glücksschwein-Darstellung (auf dem Bild links) entstand (Bildnachweis: Frank, wie Anm. 5, Abb. 33).
 
 
 
 
Foto - Taubenmarkt
(Foto 12)
Der Taubenmarkt war der letzte Markt im eigentlichen Sinn, der auf dem Marktplatz abgehalten wurde; um das Jahr 1990 wurde er in den Bereich der Lände nach Süden verlegt). Es trafen sich an den jeweiligen Marktsonntagen, wie auf unserem Bild im März 1989, Taubenzüchter und -liebhaber zum Handel oder zur bloßen Fachsimpelei (Foto: Fritz Zirnsack).
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto aus Privatbesitz von Inge Frank(Foto 13)
Diese Aufnahme des Marktplatzes aus dem Privatbesitz von Inge Frank, geb. Wetzel, entstand am 1. Juli 1938. Es zeigt im Hintergrund links das baulich heute noch bestehende ehemalige Kellereigebäude des Brauhauses Forchheim, rechts daneben das alte Sudhaus. An dessen Stelle trat später ein turmartiger Neubau mit großen Glasschaufenstern im Erdgeschoss, hinter denen man den kupfernen Sudkessel sehen konnte. Im Vordergrund Frau Wandinger mit ihrer Ur-Enkelin Inge, deren Vater Anton Wetzel von 1936 bis 1955 seine Metzgerei auf Anwesen Marktplatz 9 betrieb, ehe er in die Heinestraße aussiedelte (Verfasser danken Frau Inge Frank für Foto und freundliche Auskunft).
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto Heringsbrater auf dem Marktplatz(Foto 14)
Auch das war der Marktplatz: Heringsbrater Guth (sen.) und Frau mit ihrerweithin duftenden Ware (Foto: StAFo)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
(34) Fränkischer Tag wie Anm. 33.
(35) Wenig: wie Anm. 11, S. 395.
(36) Fränkischer Tag wie Anm. 33.
(37) Kiessling, Rolf Kilian: Juden in Forchheim. 300 Jahre jüdisches Leben in einer kleinen fränkischen Stadt. 2004, S. 118 f.
Die Verfasser danken Herrn Fritz Dittrich, Jg. 1924, Vogelstr. 13, für freundliche Hinweise.
Kupfer wie Anm. 27, S. 176.
 
Quelle: Dieter George, Wie der Marktplatz entstand. Geschichte einer Topographie des alten Forchheimer Südens, in: Der Marktplatz. Geschichte und Zukunft einer urbanen Nahtstelle (Festgabe der Stadt Forchheim [Hg.] zum "Spatenstich" der Städtebaulichen Neugestaltung Marktplatz Forchheim im Rahmen des Projekts "Leben findet Innenstadt" 12. April 2008), S. 7 - 24.