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Wie der Marktplatz entstand. Geschichte einer Topographie des alten Forchheimer Südens (Teil 2)

2. Die Auflassung des Seelgrabens
Unter diesen Märkten war der Viehmarkt in seiner Entstehung (zumindest mit diesem Standort) der jüngste, denn bis kurz vor Ende des 18. Jahrhunderts erstreckte sich hier ein Weiher, der so genannte „Seelgraben“. Fürstbischof Franz Ludwig v. Erthal ließ das 120 m lange und 45 m breite, stehende Gewässer 1788 trockenlegen und auffüllen (5).
Erthal, ein aufgeklärter Geist, regierte die Hochstifter Bamberg und Würzburg in Personalunion von 1779 bis zu seinem Tod 1795. Sein Grundsatz lautete: „Alles für die Untertanen, aber alles durch den Fürsten.“ Große Aufmerksamkeit galt der Daseinsvorsorge der Menschen: So ließ er in Bamberg ein für die damaligen Verhältnisse hochmodernes Krankenhaus bauen und begründete im Hochstift die erste Sozialversicherung. Die Universität wurde um einen Lehrstuhl für Veterinärmedizin erweitert. Erthal verzichtete bewusst auf repräsentativen Glanz, meist zugunsten Bedürftiger (6).
Die Auflassung des Forchheimer Seelgrabens war vor allem eine hygienisch motivierte Maßnahme, die ins sozialpolitische Profil Erthals passte. So können wir im „Journal von und für Franken“ von 1792 nachlesen: Ein in der Mitte [!] der Stadt befindlicher Teich, in dem sich alles Ekelerregende concentrierte, verursachte öfters die hartnäckigsten Epidemien, wodurch viele Menschen hinweggerafft wurden. Der wohltätige Fürst ließ aber den stinkenden Teich austrocknen und auffüllen […] (7). Auch die Beschreibung von Johann Baptist Roppelt (8) erwähnt epidemische Krankheiten aufgrund stehender Gewässer und innerörtlicher Sümpfe, weswegen die Stadt Vorchheim […] für sehr ungesund ausgeschrieen sei.
Dass durch die Auffüllung des Seelgrabens in der Stadt und Festung Forchheim schließlich eine neue Fläche mit günstiger Marktlage (Nähe Reuther Tor) entstand, war also – geht man von den zeitnahen Berichten aus – ein ausgesprochener Sekundäreffekt.
 
Foto - Fürstbischof Ludwig v. Erthal
(Foto 3)
Franz Ludwig v. Erthal (1779 – 1795) veranlasste die Trockenlegung
Franz Ludwig v. Erthal (1779 – 1795) veranlasste die Trockenlegung des Forchheimer Seelgrabens 1788 (Bildnachweis: Kist, Johannes: Fürst- und Erzbistum Bamberg. Leitfaden durch ihre Geschichte von 1007 bis 1960. 31962).
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Auflassung des Forchheimer Seelgrabens war vor allem eine hygienisch motivierte Maßnahme, die ins sozialpolitische Profil Erthals passte. So können wir im „Journal von und für Franken“ von 1792 nachlesen: Ein in der Mitte [!] der Stadt befindlicher Teich, in dem sich alles Ekelerregende concentrierte, verursachte öfters die hartnäckigsten Epidemien, wodurch viele Menschen hinweggerafft wurden. Der wohltätige Fürst ließ aber den stinkenden Teich austrocknen und auffüllen […] (7). Auch die Beschreibung von Johann Baptist Roppelt (8) erwähnt epidemische Krankheiten aufgrund stehender Gewässer und innerörtlicher Sümpfe, weswegen die Stadt Vorchheim […] für sehr ungesund ausgeschrieen sei.
 
(5) Frank, Alfred: Forchheim in alten Ansichten. Zaltbommel (NL). 1979, Abb. 34 mit Bildunterschrift.
(6) Zur Biografie s. Wegele, Franz Xaver, v.: Franz Ludwig von Erthal […]. In: ADB 7, S. 310 – 314, und Kist, Johannes: Franz Ludwig von Erthal. In: NDB 5, S. 371 f.
(7) Zitat nach George, Dieter: Der Marktplatz (Forchheimer Straßen und Plätze 29). In: Forchheimer Stadtanzeiger 1996/12, S. 2 f., hier: S. 2. Zum genannten „Journal“ s. die Sammlung im StAFo, Chronik, Mappe IX/11.(8) Roppelt, Johann Baptist: Historisch-topographische Beschreibung des kaiserlichen Hochstifts und Fürstenthums Bamberg […]. 1801, S. 568.
Quelle: Dieter George, Wie der Marktplatz entstand. Geschichte einer Topographie des alten Forchheimer Südens, in: Der Marktplatz. Geschichte und Zukunft einer urbanen Nahtstelle (Festgabe der Stadt Forchheim [Hg.] zum "Spatenstich" der Städtebaulichen Neugestaltung Marktplatz Forchheim im Rahmen des Projekts "Leben findet Innenstadt" 12. April 2008), S. 7 - 24.