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Wie der Marktplatz entstand. Geschichte einer Topographie des alten Forchheimer Südens (Teil 1)

1. Forchheim und seine historischen Märkte

Erkundigt sich der Besucher eines ihm fremden Ortes nach dem „Marktplatz“, so schließt dies meist auch die Erwartung ein, dass ihm der Weg in die geographische und historische Mitte der Stadt oder des Fleckens gewiesen wird. In Forchheim wird dies – hält sich der so Befragte an amtliche Bezeichnungen – zu einem anderen Ziel führen: Denn der heutige Forchheimer „Marktplatz“ befindet sich am äußeren südöstlichen Rand des mittelalterlichen Siedlungskerns, eine Lage, die selbst heute, angesichts der erweiterten Besiedlungsgrenzen, nicht als unmittelbares Zentrum gesehen werden kann.
Pläne der Festung Forchheim von 1825 und um 1838 (1) zeigen, dass es zu dieser Zeit in Forchheim noch drei als solche bezeichneten „Märkte“ gegeben hat: Dies waren der Markt vor dem Rathaus (heute inoffiziell „Rathausplatz“), der Schweinmarkt (heute: Hornschuchallee“) und der Viehmarkt; bei Letzterem handelt es sich um den späteren „Marktplatz“. In bambergischer Zeit existierte eine Vielzahl von Märkten. So gab es neben den eben benannten Märkten noch den „Geißmarkt“ (später Sattlertorstraße, s. Stadturbar von 1750: hauß auf dem gaißmarckh bey der capellen b. M. v. (2)), den „Holzmarkt“ (später Holzgasse, -straße) und den „Eiermarkt“ (heute nördliche Hauptstraße ab Rathausplatz); der Markt vor dem Rathaus wurde auch als „Grüner Markt“ bezeichnet (3). Das Innere der Festung Forchheim war also von einem regelrechten Märkte-Netz durchwirkt.
Das Marktprivileg Forchheims stand in engem Zusammenhang mit der Stadtgründung, die in die Zeit zwischen den jeweils zweiten Hälften des 12. und 13. Jahrhunderts zu datieren ist. Eine Gründungsurkunde, die eine genaue zeitliche Festlegung ermöglichen würde, ist nicht vorhanden. Stadtgründer war der Bischof von Bamberg, eventuell mit königlicher Zustimmung. Forchheim gehörte zur Kategorie sogenannter „Territorialstädte“, in denen die Stadtherrschaft der jeweilige Territorialherr innehatte. Die Gewährung des Marktrechts ist als Vorstufe der Gewährung des Stadtrechts anzusehen.
Mit Markt bzw. Märkten und Handwerkern waren diese Territorialstädte wirtschaftliche Mittelpunkte ihres ländlichen Umfeldes. Im Fall Forchheims war die Zuordnung dieses Umfeldes durch das alte, 1007 zerschlagene Königsgut bereits vor der Stadtgründung gegeben, somit historisch gewachsen.
Forchheim verfügte über einen sogenannten „Nahmarkt“, auf dem die Produkte der ländlichen Nachbarräume, also agrarische Erzeugnisse umgeschlagen wurden, was sich ja auch in den später belegten Namen der Märkte spiegelt. Im Mittelalter handelte es sich dabei um Tauschmärkte, auf denen z. B. bäuerliche gegen handwerkliche Ware getauscht wurde (4).
 
Foto - Alte Karte
(Foto 1)
„Schweinmarkt“ (Hornschuchallee), „Viehmarkt“ (Marktplatz) und „Paradeplatz“ in einem Festungsplan (Ausschnitt) von 1838 (Nachweis s. Anm. 1).
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto - das älteste Foto von Rathausplatz
(Foto 2)
Die älteste Foto-Aufnahme des Marktplatzes! Sie ist jetzt genau 100 Jahre alt, und trotz der schlechten Qualität lässt sich die nordöstliche Häuserreihe mit den Anwesen Marktplatz 7 – 9 leicht identifizieren. Am rechten Bildrand das ehemalige sogenannte „Judenhaus“ (Marktplatz 7), das 1957 völlig abgebrochen wurde (Die Bezeichnung „Judenhaus“ rührt vom früheren Besitzer Isaak Frank sen., der das Anwesen um 1861 erwarb). Vom Rückgebäude blieben noch Steinsäulen erhalten, davon eine mit der Bezeichnung „1577 B.R.“, die im Hof der Kaiserpfalz (beim Brunnen) deponiert sind. Das Anwesen ist heute vom Modehaus Schick überbaut, ebenso Marktplatz 6 (Bildnachweis wie Anm.5. Zu Marktplatz 7 s. Wenig, wie Anm. 11, S. 393, und Kiessling, wie Anm. 37, S. 125).
 
 
(1) Plan von 1825 im Bestand StAFo. Plan von 1835: StBibl. Bbg., Sign. H. V. G. 2/26.
(2) StAFo, Amtsbücher Nr. 1, fol. 21.
(3) Fränkischer Tag 17. Januar 1957 (Nr. 14): Bericht über Vortrag von Dr. E. Deuerlein (Erlangen) über „Forchheims Vergangenheit in seinen [!] Straßennamen“.
(4) Vgl. Ninness, Richard: Forchheim im Mittelalter. (Maschinenschriftliche) Magisterarbeit Bamberg. [2000], S. 54 – 57 mit Verweisen auf weitere Literatur in den Anm. 178 – 187, besonders 185.
Quelle: Dieter George, Wie der Marktplatz entstand. Geschichte einer Topographie des alten Forchheimer Südens, in: Der Marktplatz. Geschichte und Zukunft einer urbanen Nahtstelle (Festgabe der Stadt Forchheim [Hg.] zum "Spatenstich" der Städtebaulichen Neugestaltung Marktplatz Forchheim im Rahmen des Projekts "Leben findet Innenstadt" 12. April 2008), S. 7 - 24.