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Die Wandmalereien in der Kaiserpfalz Forchheim

Reiche malerische Ausstattung

 
Die reiche malerische Ausstattung ist einer der wichtigsten Ausstellungsgegenstände der Kaiserpfalz. Diese Wandmalereien spiegeln die Geschichte der fürstbischöflichen Burg und begründen die  überregionale Bedeutung des Gebäudes und seine Einstufung als "Denkmal von nationaler Bedeutung".
 
WeltgerichtDie gotischen Malereien aus dem späten 14. Jahrhundert stammen aus der Zeit des Neu- bzw. Umbaus unter dem Bamberger Fürstbischof Lambert von Brunn (1374-99) und dessen Nachfolger Fürstbischof Albert von Wertheim (1398-1421).
1377 erwirbt Lambert von Brunn, Bischof in Bamberg (1374/75 – 1389), „Haus- und Hofreit in der Stadt Vorchheim uf dem Burgstall“. Er errichtet 1391 einen großen repräsentativen Neubau im Osten des Gebäudes. 
In seinem Ruhestand nutzt der Bischof die große Kemenate zum Teil privat: Seine Gemächer sind ein außergewöhnlich frühes Beispiel für die zunehmenden Wohn- und Repräsentationsansprüche des Adels.  
Lambert von Brunn verfügt als Diplomat und Ratgeber Kaiser Karls IV. und später des Sohnes Wenzel IV., wie auch als päpstlicher Kaplan, Finanzmann und Diplomat im Auftrag der Kurie in Avignon über beste Kontakte nach Prag. Für die Ausmalung seines Hauses holt der Bischof führende Künstler aus Böhmen.
 
Maltechnik
Alle Malereien in der „Kaiserpfalz“ sind Sekkomalereien, das heißt, sie wurden mit einem Bindemittel auf den bereits trockenen Putz ausgeführt. Die gotischen Malereien liegen alle auf einem geglätteten Kalkputz. Als Bindemittel konnte eine Temperatechnik nachgewiesen werden. Neben den in der Wandmalerei üblichen Erdpigmenten wie verschiedene gelbe und rote Ocker, kamen auch schon damals künstlich hergestellte Farbpulver zum Einsatz. Die hochwertige malerische  Ausführung wird durch die Verwendung von Blattgold in der Kapelle unterstrichen.
 
Im Folgenden sehen Sie eine Auswahl der Wandmalereien in Ausschnitten und stark verkleinert:
  
 
 
Wappen
 
 
 
Südwand Kaisersaal:
Gemaltes Wappen mit dem "Böhmischen" Löwen
 
Zur Dekoration von 1391 gehören die gemalten heraldischen Wappen mit dem Reichsadler, der böhmische Löwe mit Standarten, die einfache rote Maßwerkmalerei um die Fensternischen und die durch den Gewölbeeinbau verdeckten gemalten Wappen im Zwischenboden oberhalb des Gewölbes.
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
Westwand Kaisersaal:
Darstellung des König David
 
König David
König David sitzt auf einem Thron. In seiner rechten Hand hält er ein Schriftband mit der Inschrift: „(Gerechtig) keit ist hie ein hort un pringt unz ewig frewde dort“. Zur Seite des Königs sind ein Löwe und ein Elefant zu erkennen. Eine allegorische Deutung könnte heißen: Dem König ist die Tugend der Stärke/Tapferkeit in der Gestalt des Löwen und die Tugend der Besonnenheit/Mäßigung in der Gestalt des Elefanten beigegeben. Eine andere Deutung spricht vom Elefanten als einem symbolischen Attribut für Erde und vom Löwen als dem Attribut für Ewigkeit.  
  
 
 
 
 
Hl. Drei Könige
 
 
1. OG, Nordwand Hauskapelle:
"Anbetung der Könige"
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die folgenden zwei außergewöhnlichen Wandmalereinen gehören zu den ganz seltenen weltlichen Bildwerken, die aus dem 14. Jahrhundert überliefert sind. Sie sollen den Betrachter unterhalten, aber auch belehren:
 
VogelreiterFür den Literaturhistoriker interessant ist der sog. gekrönte Kranichmensch an der Ostwand im Raum neben der ehemaligen Kapelle im 1. OG.
 
Der auf einem Kamel reitende Mann mit Königskrone stammt aus den mittelalterlichen Dichtungen von "Herzog Ernst". Dieser beschreibt Männer und Frauen, "wan hals und houbet was gelîch / als den kranichen getân".
 
Die Kranichmenschen wurden im 14. Jh. auch in den Gesta Romanorum erwähnt: "In Eripia gibt es wohlgeformte Menschen, die aber den Kopf, Hals und Schnabel von Kranichen haben." Das seien Richter, welche wie der Kranich einen langen Hals haben sollen, "damit sie eher in ihrem Herzen Klüglich überlegen, als sie das Urteil auf der Zunge haben." Triton mit der TeufelsgeigeDenkbar ist, dass die Forchheimer Darstellung mit Kamel, orientalischem Krummschwert und Ohrring einzelne Wunder des Orients zeigen sollten - dafür könnte auch der dem Kranichmenschenkönig gegenüberstehende "Triton mit der Teufelsgeige" sprechen.
 
Das Zwitterwesen Mensch-Fisch stellt wohl den Meeresgott Triton dar, der auf einer Geige spielt: Meeresgötter und Meerjungfrauen gelten von alters her als verführende Gestalten, die Menschen in die Tiefe ihres Elementes locken. Die Geige ist durch den Teufelskopf dämonisiert, was die zusätzliche Verlockung zu weltlicher Lust durch die Musik veranschaulicht.
 
 
 
 
 
 2. OG: Architekturmalerei 
Architekturmalerei
Auf einer leicht erhöhten Putzebene liegt die wandfüllende Architekturmalerei des Bamberger Hofmalers Jakob Ziegler von 1559/1560. Einen Eindruck von der ursprünglichen malerischen Ausführung dieser Dekoration geben uns zwei gemalte Kassettenfelder,  die bei der jüngsten Restaurierung offengelegt wurden.
 
 
Heinrich und Kunigunde 2. OG: llusionistische Architektur
malerei, Fensternischen mit Ranken.
Heinrich und Kunigunde sind erkennbar, mit dem Modell des Bamberger Doms, ferner sind alttestamentarische Szenen gemalt.
                                                    
 
 
 
Ranken
 
 
2. OG, Südsaal: Ranken, Jakob Ziegler, 1559 

 


 


 
 
 
 
 
 

  
Zitate und Beschreibungen entnommen aus:
 
Beckett, Barbara: Die Wandmalereien in der Kaiserpfalz, in: Pfalzmuseum Forchheim. Führer durch die Sammlungen, Forchheim 2011, S. 24 - 31.
 
Brunner, Horst, Der König der Kranichschnäbler, in: Förderkreis Kaiserpfalz e.V.(Hrsg.), Die Wandmalereien in der Kaiserpfalz Forchheim, Forchheim 2007, S. 94-112
 
Stühler, Friedbert: Forchheim. Viertuelle Streifzüge durch eine alte fränkische Stadt, Forchheim 2005
 
 
Verwiesen sei auch auf die vom Förderkreis Kaiserpfalz e. V. herausgegebenen Bücher:
 
Tillman Kohnert: Die Forchheimer Burg, genannt "Pfalz" , Petersberg 2008
 
Förderkreis Kaiserpfalz e.V. (Hrsg.): Die Wandmalereien in der Kaiserpfalz Forchheim, Forchheim 2007
 
Die genannte Literatur erhalten Sie im Museumsshop des Pfalzmuseum Forchheim bzw. im Buchhandel.