Sie befinden sich hier: Forchheim.de » Kunst & Kultur » Kaiserpfalz » Geschichte » Wandmalereien

Metropolregion

Leben findet innen stadt

Die Wandmalereien in der Kaiserpfalz Forchheim

derzeit noch in Bearbeitung

1377 erwirbt Lambert von Brunn, Bischof in Bamberg (1374/75 – 1389), „Haus- und Hofreit in der Stadt Vorchheim uf dem Burgstall“. Er errichtet 1391 einen großen repräsentativen Neubau im Osten des Gebäudes. 

In seinem Ruhestand nutzt der Bischof die große Kemenate im ersten Obergeschoss privat: Seine in einer zweiten Bauphase etwa ab 1397/98 ausgestalteten Gemächer sind ein außergewöhnlich frühes Beispiel für die zunehmenden Wohn- und Repräsentationsansprüche des Adels. Ein bedeutendes Zeugnis aus dieser Zeit sind die berühmten Wandmalereien im Erd- und in den Obergeschossen der Kaiserpfalz die dem Bau seine auch heute überregionale Bedeutung geben.
 
Lambert von Brunn verfügt als Diplomat und Ratgeber Kaiser Karls IV. und später des Sohnes Wenzel IV., wie auch als päpstlicher Kaplan, Finanzmann und Diplomat im Auftrag der Kurie in Avignon über weit reichende politische Beziehungen und beste Kontakte nach Prag. Für die Ausmalung seines Hauses holt der Bischof führende Künstler aus Böhmen.
 
Zu sehen sind im Erdgeschoss Reste einer allegorischen Ausmalung, im ersten Obergeschoss eine Darstellung der „Anbetung der Könige“, alttestamentarische Prophetenfiguren und die „Verkündigung an Maria“ in der Hauskapelle. Im daran angrenzenden Saal zeigen seltene weltliche Bildwerke einen „Kranichmenschen“ und einen „Triton mit der Teufelsgeige“.
 
 

   "Apostel"
   1. OG, Hauskapelle, OstwandApostel, 14. Jh.
 

   "Anbetung der Könige", 1. OG, Hauskapelle, NordwandHeilige Drei Könige, 14. Jh.

 

 

 

 

 



 
   "König David", EG, Westwand, 14. Jh.
König David

 

 

 

 

 

 

 


   Gewölbe und Wappen mit dem Böhmischen Löwen 
   EG, Südwand, 14. Jh.                                                Gewölbe mit Wappen  Ranken              Ranken, 2. OG, Südsaal, Jakob Ziegler, 1559 



 



 

 
 

 

 


   "Triton" mit der Teufelsgeige, Fensterlaibung                               "Kranichmensch" auf einem Kamel
  
1.OG, Nebenraum der Kapelle, Ostwand, 14. Jh.                         1. OG, Nebenraum der Kapelle, Ostwand, 14. Jh.
Triton mit der TeufelsgeigeGekrönter Kranichmensch

 

 

 

 

 


 
 

Diese zwei außergewöhnlichen Wandmalereinen gehören zu den ganz seltenen weltlichen Bildwerken, die aus dem 14. Jahrhundert überliefert sind. Sie sollen den Betrachter unterhalten, aber auch belehren:

Für den Literaturhistoriker interessant ist der sog. gekrönte Kranichmensch im Fensterbogen an der Ostwand im Raum neben der ehemaligen Kapelle im 1. Obergeschoss. Der auf einem Kamel reitende Mann mit Königskrone stammt aus den mittelalterlichen Dichtungen von "Herzog Ernst". Dieser begegnet auf seinen Reisen Männern und Frauen, "wan hals und houbet was gelîch / als den kranichen getân-" Die Kranichmenschen wurden im 14. Jh. auch in den Gesta Romanorum erwähnt: "In Eripia gibt es wohlgeformte Menschen, die aber den Kopf, Hals und Schnabel von Kranichen haben." Das seien Richter, welche wie der Kranich einen langen Hals haben sollen, "damit sie eher in ihrem Herzen Klüglich überlegen, als sie das Urteil auf der Zunge haben."

Denkbar ist laut Brunner, dass die Forchheimer Darstellung mit Kamel, orientalischem Krummschwert und Ohrring einzelne Wunder des Orients zeigen sollten - dafür könnte auch der dem Kranichmenschenkönig gegenüberstehende "Triton mit der Teufelsgeige" sprechen.. (Vgl. Brunner, Horst, Der König der Kranichschnäbler, in: Die Wandmalereien in der Kaiserpfalz Forchheim, Förderkreis Kaiserpfalz e.V., Forchheim 2007, S. 94-112) Das mit Flossen am Unterleib gekennzeichnete Zwitterwesen Mensch-Fisch stellt wohl den Meeresgott Triton dar, der auf einer Geige spielt: Meeresgötter und Meerjungfrauen gelten von alters her als verführende Gestalten, die Menschen in die Tiefe ihres Elementes locken. Die Geige ist durch den Teufelskopf dämonisiert, was die zusätzliche Verlockung zu weltlicher Lust durch die Musik veranschaulicht.


                                                                                                                                           Architekturmalerei,
   Wächterfigur, 2. OG, Südsaal, Jakob Ziegler,1559Tür                                                             2.OG, Nordsaal,
                                                     Jakob Ziegler, 1559

FensterbogenSäulen
 

 

 

 

 



   Maßwerkmalerei
   EG, Sog. Kaisersaal,
   Ostwand, 14. Jh.