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Metropolregion

Leben findet innen stadt

Kampagne Fairtrade Town

Stadtgespräch

Dr. Uwe Kirschstein

Liebe Forchheimerinnen und Forchheimer,
 

Wenn wir uns am nächsten Sonntag, den 19. November wieder auf den Friedhöfen versammeln, um gemeinsam den deutschen Kriegstoten und Opfern der Gewaltherrschaft aller Nationen zu gedenken, dann frage ich mich, ob wir in Europa nicht wieder vor einer historischen Zäsur stehen, die darüber entscheiden wird, ob wir in Deutschland auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ein Leben in Frieden führen werden oder nicht.

Der Rechtsruck, den wir inzwischen in so vielen Ländern Europas, aber auch bei der zurückliegenden Bundestagswahl beobachten konnten, der wieder aufkeimende Nationalismus und Protektionismus, die immer ungenierter vorgebrachten antisemitischen, antimuslimischen, ausländerfeindlichen oder homophoben Hetzparolen von angeblich ach so anständigen Bürgern, stimmen mich mehr als nachdenklich.

Wer glaubt, dass Gewalt erst mit tätlichen Übergriffen, mit Mord, Totschlag oder Brandstiftung beginnt, der täuscht sich. Gewalt beginnt in den Köpfen und Herzen der Menschen und bahnt sich ihren Weg in diese Welt hinein zunächst durch Worte. Sie sind die ersten Waffen, mit denen man andere erniedrigt, öffentlich verleumdet, ihnen systematisch Würde und Ansehen nimmt und sie aus der Gruppe der Mehrheit zu isolieren versucht. Worte tun nicht nur weh, sondern sie forcieren auch einen Auflösungsprozess respektvoller, zwischenmenschlicher Umgangsformen.

Wer der Gewalt der Worte nicht entschieden entgegentritt, wer schweigt und hofft, dass sich die Dinge wieder von selbst beruhigen werden, den wird die Geschichte möglicherweise erneut eines Besseren belehren. Wer allzu leichtfertig mit einstimmt in den Chor der ewigen Hetzer und Krakeeler, von denen noch keiner je Lösungsvorschläge parat gehabt hätte, der wird die Verantwortung am Ende nicht mehr von sich weisen können.

Frieden beginnt ebenfalls zunächst in Kopf und Herz des Menschen. Wer mit sich selbst einen inneren Frieden geschlossen hat, der kann auch in Konfliktgesprächen seinem Widersacher noch Würde und Respekt lassen.

Mein Gedanke zum diesjährigen Volkstrauertag:

„Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede.“

 
Ihr

Dr. Uwe Kirschstein