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Stützpunkt der Palliativversorgung ab jetzt in der Forchheimer Innenstadt

Die spezialisierte ambulante palliative Versorgung betreut und begleitet schwerstkranke Patienten im ganzen Landkreis nun von der Sattlertorstraße 3 in Forchheim aus.

Ausführliche Pressemitteilung: 

Forchheim - Seit 2010 werden im Stadt und Landkreis Forchheim in Zusammenarbeit mit den Hausärzten, Kliniken und den beiden Hospizvereinen schwerstkranke und sterbende Patienten im häuslichen Umfeld palliativmedizinisch und pflegerisch betreut. Die Versorgung erfolgt durch das Team der SAPV (Spezialisierte ambulante palliative Versorgung) der Sozialstiftung Bamberg. Der Stützpunkt ist jetzt in ein Büro in der Sattlertorstraße 3, dem sogenannten Forchheimer Frechshaus, eingezogen.

Hausherr Oberbürgermeister Franz Stumpf freut sich darüber: „Der Stützpunkt in Forchheim ist ein weiterer wichtiger Schritt für die medizinische Versorgung Forchheims. Die Patienten können jetzt noch schneller erreicht werden. Die Aufgabe der SAPV ist es, schwerstkranke Patienten, die an einer unheilbaren, fortgeschrittenen Erkrankung leiden, zu Hause oder in Pflegeheimen zu versorgen und zu begleiten. Dies ist unabhängig davon, ob es sich um eine schwere Krebserkrankung, eine internistische, neurologische oder psychiatrische Erkrankung handelt.“

Chefarzt Dr. med. Jörg Cuno ergänzt: „Im Vordergrund stehen hierbei die Wünsche, Sorgen und Ängste der uns anvertrauten Patienten, das SAPV-Team steht aber auch Angehörigen während des Behandlungsverlaufs mit Rat und Tat zur Seite“.

Ziel der Palliativmedizin und des SAPV-Teams ist es, die Lebensqualität der Patienten und deren Angehörigen zu verbessern und Symptome, wie Schmerzen, Übelkeit oder Atemnot zu lindern und Ängste abzubauen.

Dr. med. Karl-Heinz Kläver ist der Palliativmediziner des Stützpunktes: „Durch die angebotene 24 Stunden Rufbereitschaft kann dem Patienten und seinen Angehörigen Sicherheit vermittelt und unnötige Krankenhausaufenthalte häufig vermieden werden.“

Die Begleitung durch das SAPV-Team zielt nicht nur auf die Linderung der körperlichen Symptome am Lebensende eines Menschen, sondern auch auf die psychosoziale Unterstützung des Patienten und seiner Angehörigen. Die professionelle Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Haus- und Fachärzten, Krankenhäusern, Pflegediensten und -heimen, Sanitätshäusern, Apotheken und Hospizvereinen ist Voraussetzung dafür.

„Nur durch ein gutes Netzwerk kann der schwersterkrankte Patient zu Hause optimal versorgt werden. Die SAPV sieht sich dabei immer als Ergänzung und Unterstützung für die bereits eingebundenen Versorger“, bestätigten die vor Ort tätigen Palliative Care Pflegekräfte.

Patienten, die der Betreuung durch die SAPV bedürfen, können sich diese durch den niedergelassenen Haus- oder Facharzt oder behandelnden Klinikarzt verordnen lassen. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. In der Regel werden Patienten ein- bis zweimal in der Woche von Mitgliedern des SAPV Team besucht. Bei entsprechendem Bedarf erfolgen Hausbesuche aber auch mehrmals täglich.

Seit Beginn der Tätigkeit im Landkreis Forchheim wurden durch das regionale SAPV-Team etwa 300 Patienten betreut. „Insgesamt betreut das SAPV Team Bamberg um die 750 Patienten pro Jahr. Viele von ihnen können ohne unnötige Krankenhauseinweisung Zuhause leben- bis zuletzt“, so Alexander Sieber, der pflegerische Leiter des SAPV Teams.

Eine Untersuchung des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie hat ergeben, dass 66% der Seniorinnen und Senioren am liebsten zuhause sterben wollen. Tatsächlich sind es aber nur 30%, weil 43% in Krankenhäusern, 24% in Altenheimen und 1% auf Palliativstationen sterben.

Seit 2009 gibt es nun in Bayern die Möglichkeit einer Einrichtung der sog. Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. Grundlage dafür ist ein Vertrag des Leistungserbringers mit der Arbeitsgemeinschaft der gesetzlichen Krankenversicherungen. Für das Gebiet des Landkreises Forchheim gibt es diese Einrichtungen seit 2010. Sitz war bisher Ebermannstadt. Jetzt ist das Büro wegen der größeren Zentralität im sog. Frechshaus neben dem Rathaus untergebracht. Der Zugang erfolgt über die Rückseite des Gebäudes.

Ziel dieser Versorgung ist es, den schwerstkranken Menschen noch Selbstbestimmung, Würde und Lebensqualität zu verschaffen. Es wird zuhause eine medizinisch-pflegerische Komplexleistung, psychosoziale Unterstützung in enger Zusammenarbeit mit dem ambulanten Hospizdienst, der Seelsorge und sozialen Arbeit, die Koordination von einer Teil- bis zur Vollversorgung geboten. Anspruch auf diese Leistung haben alle gesetzlich Versicherten. Die Leistungen werden durch Hausärzte und Pflegedienste mit dem Hospizverein erbracht.

Die Kassen brachten bayernweit 2009 für diese Leistungen 17 Mio. € auf, 2013 waren es bereits 175 Mio. €.

Die Universität Augsburg, die über dieses Projekt eine Studie erstellt hat kommt zu dem Ergebnis, dass die spezialisierte ambulante Palliativversorgung eine Lebensqualität bis zuletzt trotz Grenzsituationen am Lebensende zuhause ermöglicht.