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Die Spuren Karl des Großen - Forchheim in der Welt

"Seit langem wurde in Forchheim archäologisch nach Spuren eines Grenzhandelsplatzes und der bald darauf bezeugten karolingischen Kaiserpfalz gesucht. Ausgerechnet außerhalb des alten Stadtzentrums gelang es jetzt erstmals konkrete Hinweise zu finden. Dies wissen wir nun heute aufgrund der aktuellen Grabungen auf dem Gelände des früheren Franziskanerklosters in Forchheim“,so Prof. Dr. C. Sebastian Sommer, Abteilungsleiter der Praktischen Denkmalpflege Bodendenkmäler im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

Ausführliche Pressemitteilung: 

„Karl der Große war ein Stratege und deshalb verwundert es nicht, dass er ausgerechnet Forchheim an der Regnitz (Foracheim) im Jahr 805 im Diedenhofener Kapitular erwähnt hat. Die in Thionville bei Metz abgefasste Urkunde nennt entlang der Ostgrenze des Karolingerreiches Orte mit besonderer Bedeutung für den Handel mit den benachbarten slawischen Gruppen. Neben Magdeburg und Erfurtzählen in Bayern Regensburg und Hallstadt und eben Forchheim zu diesen Grenzhandelsplätzen", erläutert Sommer weiter.

Oberbürgermeister Franz Stumpf: „Für die Geschichte Forchheims sind die Grabungsergebnisse sehr wichtig wie auch erfreulich zu gleich: jetzt haben wir endlich die archäologische Bestätigung für die bisher nur aus den Schriftquellen bekannte Bedeutung unserer Stadt im Frühen Mittelalter! Forchheim war schon damals ein wichtiger Handelsplatz im karolingischen Reich. Was vor 1200 Jahren begann, setzt sich in der Neuzeit als herausragender Wirtschaftsstandort erfolgreich fort -sogar mit Auszeichnung: Forchheim bekam erst vergangene Woche den Bayerischen Qualitätspreis als wirtschaftsfreundliche Stadt verliehen.“

„Wir freuen uns, dass die Grabung im aufgelassenen Klosterhof so wertvolle Zeugnisse für die Stadt Forchheim zu Tage bringt. Die Bergung und Restaurierung der erhaltensfähigen Fundstücke ist uns wichtig. Sie sollen ab 2016 in einer eigenen Ausstellung in Forchheim präsentiert werden“, sagt Dr. Matthias Hubert, geschäftsführender Gesellschafter der Sontowski und Partner Gruppe aus Erlangen.

Die archäologischen Grabungen waren erforderlich, da auf dem 4000 m² großen Hofareal eine Wohnanlage geplant ist. Die Grabungsarbeiten werden durch die Ingolstädter Firma Pro Arch ausgeführt und durch die Erlanger Immobilienentwickler Sontowski & Partner Group als Grundstückseigentümer in Auftrag gegeben. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege informiert und berät Denkmaleigentümer, Bauherren, Investoren sowie Kommunen und Behörden bei allen Vorhaben im Umfeld von Bodendenkmälern. Die Grabungsarbeiten begannen im September 2013 und werden im April abgeschlossen sein.

Besonders im westlichen Teil des Klosterhofes fanden sich zahlreiche Befunde aus dem frühen Mittelalter unter den jüngeren Strukturen. Dank der Pfostenlöcher, Gruben und Gräben sind eindeutige Gebäudegrundrisse erkennbar, die offenbar am ehemaligen Verlauf der Wiesent ausgerichtet waren. Ähnliche Situationen sind beispielsweise aus den frühmittelalterlichen Zentralorten Karlburg am Main oder auch dem niederländischen Dorestad am Rhein bekannt.

Die jetzt freigelegten Gebäudegrundrisse lassen sich am besten mit großen hallenartigen Anlagen vergleichen, die sich sehr gut in das Bild eines frühmittelalterlichen Handelsplatzes einfügen lassen. Das verwendete Baumaterial war Holz, das naturgemäß im Boden verwittert und lediglich als Bodenverfärbung erkennbar ist. Eine Erhaltung des Bodendenkmals ist daher nach der Ausgrabung nicht möglich.

Aufgrund der vorhandenen Funde, zu denen überwiegend lokal hergestellte Keramik des 8. und 9. Jahrhunderts, aber auch Importe aus spezialisierten karolingischen Töpfereien zählen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass sich der karolingische Königshof in unmittelbarer Nähe zur aktuellen Grabung befunden hat.