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Spital-Bewohner sprechen mit OB

Am 09. Juni stellte Oberbürgermeister Franz Stumpf in einer Versammlung mit den Bewohnern des Katharinenspitals und deren Angehörigen den Beschluss des Stadtrats zum Neubau vor. In seinem Vortrag bekannte er sich zum Standort des Katharinenspitals an der Spitalkirche. Die Bewohner konnten dem OB ihre Sorgen und Wünsche mitteilen

 

Ausführliche Pressemitteilung: 

Forchheim – An Ort und Stelle des bisherigen stationären Pflegeheims Katharinenspital soll eine moderne Senioren-Wohnanlage mit Tagespflege und ambulanter Pflege entstehen. Oberbürgermeister Franz Stumpf informierte die Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter im Speiseraum des Spitals über die Hintergründe und Planungen. Einleitend erklärte Oberbürgermeister Stumpf zunächst den bautechnischen Sachstand.

 

Bauliche Gegebenheiten:

Entscheidend für die erforderlich werdenden Baumaßnahmen ist das Inkrafttreten der Verordnung zur Ausführung des Pflege- und Wohnqualitätsgesetztes vom 27. Juli 2011. Mit dieser Verordnung will der Bayerische Gesetzgeber sicherstellen, dass die stationären Einrichtungen im Interesse ihrer Bewohner barrierefrei errichtet und auch genutzt werden können. Die Angleichungsfrist beträgt 5 Jahre. Bis Juli 2016 müssen also die Anforderungen erfüllt worden sein.

Um die DIN-Vorschriften bezüglich der Barrierefreiheit einhalten zu können, müssen die Zimmer im Katharinenspital in ihrer Tiefe vergrößert werden. Regelgerechte barrierefreie Pflegezimmer mit Nasszelle benötigen zwingend eine zur Verfügung stehende Raumtiefe von 5,50 m.

Nur so kann sichergestellt werden, dass der für Rollstühle erforderliche Wendekreis von 1,50 m eingehalten wird. Derzeit ist das nicht der Fall. Ebenso fehlen derzeit barrierefreie Nasszellen im Katharinenspital.

Im Stadtrat wurden zwei Varianten diskutiert.

  1. Favorit der Heimleitung: Generalsanierung des Bestandes

    Eine Generalsanierung müsste in zwei Bauabschnitten durchgeführt werden. Die Bauzeit würden dann ca. 4 Jahre betragen.

    Da sich im neueren Querbau die Küche, der Speisesaal die Heizung usw. befinden, würde als erstes der Altbau entlang der Bamberger Straße in Angriff genommen werden.

    Im Altbau aus den 50er Jahren, der nicht unter Denkmalschutz steht, können die Pflegezimmer wegen der zu geringen Raumtiefen nicht in Ost-Westrichtung, also quer, eingebaut werden. Die bestehende Mittelflurbreite von 1,40 m wird von den bestehenden Mittelwänden definiert. Ein Umbau unter Belassung des statischen Traggerüsts ist in Querrichtung nicht möglich.

    Werden die Zimmer vergrößert, würde sich jedoch die Breite der Gänge noch weiter einengen. Die Gänge erfüllen schon heute nicht die Mindestbreite entsprechend der DIN-Normen für die Barrierefreiheit. Für Erschließungsflure ist eine Mindestbreite von 1,50 m – ist ein Handlauf vorhanden, dann 1,60 m - vorgeschrieben.

     

    Einzige Möglichkeit wäre, die Zimmer längs auszurichten.

    Dies hätte eine ungünstige Flächenausnutzung zur Folge mit deutlich weniger Bewohnereinheiten.

    Eine Generalsanierung in der bestehenden Gebäudehülle mit entsprechenden Grundrissänderungen bedingt eine weitreichende Änderung des bestehenden statischen Tragsystems mit Ausbau der Querwände.

    Weiter sind nicht einmal in allen Zimmern Duschen vorhanden. Selbstverständlich ist das nicht zeitgemäß. Die Duschen, die einzubauen sind, müssen barrierefrei bodengleich sein. Wegen des notwendigen Gefälles der Abläufe muss im gesamten Bereich eine neue Installation eingebaut werden. Dazu ist es erforderlich, den gesamten Bodenbereich neu mit Estrich zu belegen und somit das Bodenniveau auf allen Stockwerken zu erhöhen, damit die Bodenhöhe für das nötige Gefälle in den Duschen ausreichend ist.

    Während der Umbauphase müsste der Altbau also komplett entkernt und in den Rohbauzustand zurückversetzt werden. Des Weiteren wären wie oben erwähnt, weitreichende statische Umbaumaßnahmen des verbleibenden Rohbaus notwendig.

    Da die Zimmer im Gebäude Bamberger Straße nach den Vorschriften des Pflegewohn-qualitätsgesetzes und den DIN-Vorschriften anders zugeschnitten werden müssen, können nach dem Umbau nur noch 12 Wohneinheiten in diesem Gebäude untergebracht werden. Etwa 10 Zimmer würden durch den Umbau also entfallen.

    „Der erst Bauabschnitt wäre die Generalsanierung des Gebäudes an der Bamberger Straße. Während dieser Bauphase könnten von den etwa 70 Bewohnern höchstens die ca. 35 Bewohner des Querbaus im Spital wohnen bleiben. Das bedeutet, dass die Hälfte der Spital-Bewohner auf jeden Fall auch bei einer Generalsanierung zum Baubeginn das Heim verlassen müsste. Aber: Wer kann bleiben und wer muss gehen? Wie soll man da auswählen?

    Ganz abgesehen von der Frage, wie man im Altenheim einen 24-stündigen 3-Schicht-Betrieb mit dem erforderlichen Personal für 35 Personen während der Bauphase aufrecht erhalten soll.“, so der Oberbürgermeister.

    Erst wenn der Altbau saniert ist, könnte im zweiten Bauabschnitt mit der Sanierung des Querbaus begonnen werden. Von den ca. 35 Personen, die bis dorthin während des ersten Bauabschnitts im Querbau verblieben sind, können also nur noch 12 Personen im Katharinenspital verbleiben, die dann in den dann sanierten ersten Bauabschnitt in der Bamberger Straße umziehen müssten. Die anderen 23 Personen müssten spätestens dann auch ausziehen.

    In diesem Querbau, der dann im zweiten Bauabschnitt saniert werden würde, befinden sich alle Logistikräume. Der Speisesaal, gesamte Haustechnik, die Heizung, die Küche, die Lüftung, die Warmwasserversorgung usw. müssten dann provisorisch während des zweiten Bauabschnitts für die dann nur noch 12 in die Bamberger Straße 5 umgezogenen Personen eingerichtet werden.

    Nach der Sanierung des Querbaus können dort wegen der Barrierefreiheitsvorschriften nur noch etwa 19 Personen untergebracht werden. Die genaue Zahl wurde sich nach der Detailplanung richten. Derzeit befinden sich 35 Zimmer im Querbau.

    Zusammenfassend muss gesagt werden, dass von den derzeit 57 Zimmern nach der Sanierung nur noch 31 Zimmer übrig bleiben würden. Eine solch kleine Anlage ist noch weit aus defizitärer als die jetzige.

     

    b)         Stadtratsbeschluss: Abbruch und Neubau

    Die Planung des Neubaus sieht eine H-förmige Grundrissstruktur vor mit Bebauung an der Bamberger Straße, entlang des Flusses sowie ein Bindeglied zwischen Flussbebauung und Bamberger Straße vor. Es würden Flächen entstehen von ca. 4.790 m² für ca. 80 Bewohner, eine Tagespflege und ein Bistro. Die Bauzeit beträgt ca. 2 Jahre und wäre somit um ca. 1,5 Jahre kürzer als bei der Generalsanierung des Bestands.

     

    Exkurs: Was bisher geschah

    Die Heimleiterin hatte bereits in der öffentlichen Sitzung des Stiftungsausschusses am 28.02.12 auf die neuen baulichen Anforderungen aus dem Pflegewohnqualitätsgesetz von 2011 aufmerksam gemacht. Dementsprechend hatte der Stadtrat im Oktober 2012 die Verwaltung beauftragt, die Umwandlung des Katharinenspitals von einer stationären Einrichtung in eine ambulante zu prüfen und wieder zu berichten.

    Im Frühjahr 2013 wurde das Katharinenspital von der Heimaufsicht umfassend mit folgendem Ergebnis geprüft:

    „Der Träger ist kraft Gesetzes verpflichtet, den festgestellten Mangel abzustellen, um die Qualitätsanforderungen an den Betrieb der Einrichtung sicherzustellen (Art. 3 PfleWoQuG).“

    Bemängelt wurden von der Heimaufsicht insbesondere die zu kleine Größe der Zimmer, die fehlende Barrierefreiheit der Sanitärräume und der Verkehrsflächen.

    Im November 2013 erfolgte dann entsprechend der Vergabevorschriften eine öffentliche europaweite Architektenausschreibung / VOF-Verfahren. Über die voraussichtlichen Investitionskosten und das ambulante Modell erfolgte dann Mitte November 2013 ein Zwischenbericht im Stiftungsausschuss. Während des Jahres 2014 haben Stiftungsausschuss, Stadtrat, Heimaufsicht mit dem Bezirk, dem Landkreis und verschiedenen Trägern das Konzept verfeinert.

    In der öffentlichen Bauausschusssitzung am 17.11 2014 erfolgte dann einstimmig die baurechtliche Zustimmung zum neu geplanten Gebäude. Der entsprechende Vorbescheid wurde im Amtsblatt der Stadt Forchheim am 16.01.2015 öffentlich bekannt gemacht. Die Vereinbarkeit des geplanten Modells wurde mit der Stiftungsaufsichtsbehörde abgeklärt. Am 28.04.2015 hat sich der Stiftungsausschuss in einer fünfstündigen Sitzung mit den verschiedenen vorgeschlagenen Konzepten möglicher Kooperationspartner auseinandergesetzt. In der Stadtratssitzung am 20.05.15 hat der Stadtrat dann das ambulante Modell priorisiert.

    Die Heimleiterin und auch die Personalratsvorsitzende waren von Anbeginn bei sämtlichen Stiftungsausschusssitzungen anwesend und hatten auch ausreichend Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Heimleiterin hat davon auch ausführlich Gebrauch gemacht.

     

    Das Pflegestärkungsgesetz:

    Der Bundesgesetzgeber hat zwischenzeitlich das Pflegestärkungsgesetz erlassen, welches zum 01.01.2015 in Kraft getreten ist. Hiermit wird die ambulante Pflege verstärkt vor der stationären gefördert. Die Zuzahlungen der Pflegekasse wurden im Prinzip verdoppelt.

    So kann beispielsweise bei ambulanter Pflege Betreuung in Kombination mit Tagespflege 3.223 € von der Pflegekasse abgerufen werden – vollstationär sind es dagegen nur 1.612 € (Quelle: „Gute Pflege – Darauf kommt es an“).

    Das ambulante Modell bedeutet für die Bewohner also eine erhebliche finanzielle Erleichterung. In dem Gebäude wird ambulante Pflege angeboten und eine Tagespflege eingerichtet. Hauswirtschaftsleistungen und Verpflegung können frei gewählte werden.

     

    Die Interessen der Bewohner:

    Ein Bewohner wies auf die ideale Lage des Spitals hin. „Wir sind hier mitten in der Stadt, haben die Bushaltestelle und den Park in direkter Nähe. Das Spital gehört hierher.“

    Oberbürgermeister Stumpf gab ihm Recht: „Hier befindet sich die Spitalkirche, in der ich als Junge oft ministriert habe. Wo die Spitalkirche ist, gehört auch das Spital hin. Da lasse ich nicht mit mir reden! Genau aus diesem Grund soll das Spital auch nicht an einem anderen Standort gebaut werden, sondern da bleiben wo es jetzt ist.“

    Große Sorgen machten sich die Bewohner darüber, ob die ambulante Pflege für die Betroffenen das Gleiche leisten können wird wie die stationäre.

    Denn schließlich wurde das Personal bei der ambulanten Pflege ständig wechseln. Das könnte zu Informationsdefiziten führen. Der Oberbürgermeister berichtete über das System in Altendorf, wo das ambulante Konzept hervorragend funktioniere. Und ob in dem Neubau vielleicht doch ein paar stationäre Betten aufgenommen werden könnten, sei vom Stadtrat noch nicht entschieden. Das hinge auch vom Konzept des jeweiligen Trägers ab.

    Der Oberbürgermeister ging darauf ein, dass im Neubau lediglich die ambulante Tagespflege an einen Kooperationspartner vergeben werden solle.

    Die Bewohner der Zimmer haben aber die freie Wahl: Sie können sich entweder ebenfalls für diesen Träger entscheiden. Sie haben aber die freie Wahl, auch einen anderen Träger zu beauftragen.

    Wer aber weiterhin Wert auf stationäre Pflege lege, für den stünden in Forchheim spätestens Mitte 2016 ausreichen Plätze zur Verfügung:

    „Am 10. Juni 2015 erfolgt der Baubeginn für das neue Rot-Kreuz-Heim in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße Dieses neue Heim wird das alte aus der Hainbrunnenstraße ersetzen. Auch das BRK muss wegen der neuen Vorschriften des Pflege- und Wohnqualitätsgesetztes neu bauen. Auch dort lässt sich eine Sanierung im alten Bestand nicht vornehmen. In der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße werden ab Mitte des nächsten Jahres 98 stationäre Pflegeplätze entstehen.

    Eine Angehörige hatte die Sorge, was mit den Spitalbewohnern passiere, wenn das Spital wegen des Neubaubeginns entwohnt sein muss, der BRK-Ersatzbau aber noch nicht bezugsfertig sein sollte.

    Diese Sorge konnte der Oberbürgermeister entkräften: „Solange der BRK-Bau nicht bewohnbar ist, muss die Personengruppe, die sich für das BRK entschieden hat, auch nicht ausziehen.“

    Aktuell seien, so der Oberbürgermeister weiter, im Heim in der Sattlertorstraße ca. 24 Plätze frei. Ein ganzer Freundeskreis könne also beieinander bleiben. Die Plätze könne die Diakonie jedoch nur dann vergeben, wenn ihr zusätzliches Personal zur Verfügung stünde. „Derzeit herrscht an sämtlichen Heimen Personalmangel. Das Personal aus dem Spital wird deshalb sicher im Bereich Forchheim unterkommen. Wir sind dabei, die Bedarfe der anderen Träger an Personal zu ermitteln und vermittelnd weiterzuhelfen.“

    „Aber wer zahlt den Umzug?“ Auch das war ein wichtiges Anliegen der Bewohner. Oberbürgermeister Stumpf wusste auch darauf eine Antwort: „Ich werde dem Stadtrat vorschlagen, dass die Stiftung Ihren Umzug finanziell unterstützt. Ich denke dabei an bis zu 500 € pro Umzug gegen Vorlage der Belege. Und für die Unterbringung Ihrer Möbel wird uns sicher auch eine Lösung einfallen!“

    Der Oberbürgermeister versprach sich dafür einzusetzen, dass für jeden einzelnen Bewohner ein sicherer alternativer Platz gefunden wird. Hierfür soll eine entsprechend qualifizierte Kraft eingesetzt werden, die den Bewohnern auch als zentraler Ansprechpartner zur Verfügung stehen wird.

     

     

     

     

    Ansprechpartner

    Oberbürgermeister Franz Stumpf

    Hauptstr. 24

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