Irrenanstalt oder Schatzkästlein?
Auch wenn die Forchheimer sie gerne so nennen: Die „Kaiserpfalz“ zu Forchheim ist keine solche! Mittelalterliche Urkunden belegen, dass es eine Pfalzanlage in Forchheim gegeben haben muss, diese wurde aber bisher von den
Archäologen nicht gefunden. Bei der heute vorhandenen Burganlage handelt es sich in Wirklichkeit um eine fürstbischöfliche Residenz:
1377 erwirbt Lambert von Brunn, Bischof in Bamberg (1374/75 – 1389), „Haus- und Hofreit in der Stadt Vorchheim uf dem Burgstall“. Er errichtet etwa 1391 einen großen repräsentativen Neubau im Osten des alten Burgstalls. Die Stadtburg ist mit ca. 35 X 40 Metern ein fast quadratischer Komplex und über Zugbrücken und Tore von Norden und Süden her erreichbar. Ein breiter Wassergraben grenzt ihn damals von der Stadt ab. Der mächtige steinerne Ostflügel (35 x 13 Meter), die Kemenate, vereint in ihrem Inneren auf fünf Geschossen viele Funktionen: Keller, Hofstube, Audienz- und Festsäle, eine Wohnetage und ein Lager- und Wehrgeschoss. Die Außenmauern sind fast zwei Meter stark. Als Besonderheit kann eine Steinkammer-Luftheizung zur Beheizung des großen Erdgeschosssaales dokumentiert werden. In seinem Ruhestand nutzt der Bischof die große Kemenate im 1. Obergeschoss privat: Seine in einer zweiten Bauphase etwa ab 1397/98 ausgestalteten Gemächer sind ein außergewöhnlich frühes Beispiel für die zunehmenden Wohn- und Repräsentationsansprüche des Adels. Eine derart differenzierte mehrräumige Wohnnutzung und Treppenerschließung einer Burg konnte hier wohl erstmals in Deutschland nachgewiesen werden.
Ein bedeutendes Zeugnis aus dieser Zeit sind die berühmten
Wandmalereien der

Kaiserpfalz,
die dem Bau seine auch heute überregionale Bedeutung geben. 1399 stirbt Lambert von Brunn in seiner neu errichteten Residenz.
Veränderungen ab dem 16. Jahrhundert
Bereits 1517 erfolgt unter Bischof Georg III. Schenk von Limpurg (1505-1522) eine
Erweiterung der Anlage. Die Obergeschosse des Westflügels („Schultheißenbau“) werden 1516 - 1518 in Fachwerkbauweise neu errichtet. Der nördliche Teil des "Schultheißenbaus" wird 1558 gebaut. Das Erdgeschoß war ein Roßstall. Die Überbauung von Nord- (1559) und Südmauer (1561) entsteht nach dem Markgrafenkrieg 1552/1553, als es dem Kulmbacher Markgrafen Albrecht
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Alkibiades gelang, Forchheim kurzzeitig einzunehmen. Viele der Schenk von Limpurg nachfolgenden Bischöfe des 16. Jh. weilen in Forchheim. Es wird zeitgemäß verändert und modernisiert, je nach den Bedürfnissen der Repräsentation und des privaten Wohnens. Teil des Südflügels ist eine Burgküche, deren Kaminhaube (3,5 x 4 m) teilweise erhalten ist. Bischof Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609) veranlasst besonders umfangreiche Umbauten, wie z.B. den
Neubau des Treppenturms zum Hauptbau und den Ausbruch der Gewölbe im 1. Obergeschoss.
Nach Gebsattel interessieren sich die Bischöfe des 17. und 18. Jh. kaum noch für die Forchheimer Burg. Nur in Zeiten der Gefahr, so im 30-jährigen Krieg, dient sie als sicheres Lager für den Bamberger Domschatz und den Kirchenschatz von St. Martin.
Kasten- und Rentamt
Ab 1711 wird die große Kemenate als Kasten- bzw. Rentamt und Speicherbau genutzt. Im Jahre 1786 erhält sie das heute noch bestehende Krüppelwalmdach ersetzt. Der Zugang zur Anlage wird von Norden nach Süden verlegt.

Das kurfürstlich bayerische Rentamt verbleibt bis 1905 in der „Kaiserpfalz“. Erst etwa 1830 erwacht das bis heute vorhandene Interesse an der Anlage mit der Entdeckung der bis dahin unter Putz verdeckten Wandmalereien...
100 Jahre Pfalzmuseum
Als die Münchner Regierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts Pläne verlauten ließ, in der Pfalz ein Irrenhaus oder ein Lagerhaus einzurichten – Gerüchten zufolge drohte sogar der Abriss – liefen die Forchheimer Bürger Sturm! Forchheimer Honoratioren - federführend der Gymnasiallehrer und zweite Bürgermeister Dr. Hans Räbel – schlossen sich 1905 zu einem „Historischen Verein Forchheim“ zusammen. Zweck des Vereins: „Die Erhaltung

der sog. Forchheimer Königspfalz, dann die Pflege der Geschichte Forchheims und dessen Umgebung, namentlich des Bezirks Forchheim.“ Das Anliegen ging über den reinen Gebäudeerhalt hinaus, ausdrücklich sollte darin ein „Museum für die Fränkische Schweiz“, das Pfalzmuseum entstehen.
Am 2. Juli 1911 fand die glanzvolle Eröffnung statt. Eine Reihe von Museumsobjekten hatte der Verein aus der Bevölkerung zusammengetragen. Darunter befanden sich 353 Gemälde, Grafiken, Fotografien und Haushaltsgegenstände, vor allem aber auch die Grabungsfunde von der Ehrenbürg. Es folgten Jahre des wechselvollen Auf und Ab für das Museum, die schließlich in der Generalsanierung von 1998 bis 2004 mündeten.
Sanierungsarbeiten und Neueröffnung
1989 erwirbt die Stadt Forchheim das einstige Schloss. Mittlerweile ist die „Kaiserpfalz“ wegen ihrer einzigartigen Bausubstanz und ihrer Wandmalereien vom Bayerischen Kultusministerium zu einem
„Denkmal von nationaler Bedeutung“ eingestuft worden. Das Projekt
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„Kaiserpfalz – Kulturpfalz“ nimmt 1998 Gestalt an: Umfangreiche
Sanierungsarbeiten werden vom Bamberger Architekturbüro Bauernschmitt (heute: Büro Bauernschmitt, Gleisner Mahnel, Bamberg) durchgeführt.
Neues Erlebnismuseum
2012: Das Pfalzmuseum Forchheim wird um das
"Erlebnismuseum Rote Mauer" erweitert: Ab Sonntag, dem 13. Mai 2012 von 10.00 bis 17.00 Uhr erleben Sie die Geschichte der Forchheimer Festung am authentischem, historischem Platz, in der im Originalzustand erhaltenen, ehemaligen Kasematte aus dem 16. Jahrhundert (Wallstraße 19, neben dem Amtsgericht). Mit dem "Erlebnismuseum Rote Mauer" ist in Forchheim ein ganz besonderes historisches Baudenkmal zugänglich. Die Museumslandschaft in Bayern verfügt noch nicht über ein vergleichbares Museum zur Geschichte der Festungsanlagen. Das „Erlebnismuseum Rote Mauer“ ist deshalb in seiner Konzeption einzigartig.
Literatur:
Bauernschmitt, Barbara und Reiner: Kaiserpfalz Forchheim – Die letzte Restaurierung: Funktion und Gestaltung, in: Pfalzmuseum Forchheim, Festschrift zur Wiedereröffnung, Stadt Forchheim, Forchheim 2004, S. 11 – 16
Dümler, Christian: Die Kaiserpfalz Forchheim -Entstehungsgeschichte der bischöflichen Burg im Hochstift Bamberg, in: Pfalzmuseum Forchheim, Festschrift zur Wiedereröffnung, Stadt Forchheim, Forchheim 2004, S. 7 – 10
Fischer, Susanne: Pfalzmuseum Forchheim, in: Ammon, Hermann (Hrsg.), Forchheim in Geschichte und Gegenwart, Bamberg 2004, S. 238 - 243
Fischer, Susanne: Zur Neukonzeption des Pfalzmuseums, in: Pfalzmuseum Forchheim, Festschrift zur Wiedereröffnung, Stadt Forchheim, Forchheim 2004, S. 33 – 37
Förderkreis Kaiserpfalz e.V. (Hrsg.): Die Wandmalereien in der Kaiserpfalz Forchheim, Forchheim, 2007
Kohnert, Tillman: Die Forchheimer Burg genannt „Pfalz“, Geschichte und Baugeschichte einer fürstbischöflich-bambergischen Stadtburg, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2008
Pursche, Jürgen: Wandmalereien im Pfalzmuseum zu Forchheim, Überlegungen zur Konservierung und Restaurierung, in: Pfalzmuseum Forchheim, Festschrift zur Wiedereröffnung, Stadt Forchheim, Forchheim 2004, S. 23 – 31
Die genannte Literatur erhalten Sie im Museumsshop des Pfalzmuseum Forchheim bzw. im Buchhandel.