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Die Baugeschichte der Kaiserpfalz Forchheim

Auch wenn die Forchheimer sie gerne so nennen: Die „Kaiserpfalz“ zu Forchheim ist keine solche! Mittelalterliche Urkunden belegen, dass es eine Pfalzanlage in Forchheim gegeben haben muss, diese wurde aber bisher von den Kaiserpfalz ForchheimArchäologen nicht gefunden. Bei der heute vorhandenen Burganlage handelt es sich in Wirklichkeit um eine fürstbischöfliche Residenz:

1377 erwirbt Lambert von Brunn, Bischof in Bamberg (1374/75 – 1389), „Haus- und Hofreit in der Stadt Vorchheim uf dem Burgstall“. Dieses Gebäude - 1339 vom Schultheiß Volland IV von Wiesenthau errichtet - dürfte aus den Resten einer hochmittelalterlichen Burganlage bestanden haben, die auf Bischof Otto I., den Heiligen (1102–1139), zurückgeht.

Einen großen repräsentativen Neubau im Osten des alten Burgstalls errichtet Lambert von Brunn etwa 1391. Mit zwei zinnenbekrönten, fast 30 Meter langen und zehn Meter hohen Wehrmauern zur Stadtbefestigung hin ist dieser fast quadratische Komplex über Zugbrücken und Tore von Norden und Süden her erreichbar.
 
Ein breiter Wassergraben grenzt ihn von der Stadt ab. Dieser mächtige steinerne Ostflügel (35 x 13 Meter) vereint in seinem Inneren auf sechs Ebenen viele Funktionen, die bei älteren Burgen noch auf unterschiedliche Gebäude verteilt wurden. Die Kemenate besitzt über Keller, Hofstube, Audienz- und Festsäle, eine Wohnetage und ein Lager- und Wehrgeschoss. Darüber erhebt sich 65 Grad steiles Sparrendach. Die Außenmauern sind fast zwei Meter stark. Als Besonderheit kann eine im Keller noch in großen Teilen vorhandene und erst jüngst wieder entdeckte Steinkammer-Luftheizung zur Beheizung des großen Audienzsaals im Erdgeschoss dokumentiert werden. 
In seinem Ruhestand nutzt der Bischof die große Kemenate im 1. Obergeschoss privat: Seine in einer zweiten Bauphase etwa ab 1397/98 ausgestalteten Gemächer sind ein außergewöhnlich frühes Beispiel für die zunehmenden Wohn- und Repräsentationsansprüche des Adels.
Eine derart differenzierte mehrräumige Wohnnutzung und Treppenerschließung der Burg konnte wohl erstmals in Deutschland nachgewiesen werden. Deren Vorbilder liegen im überregionalen Wirkungskreis des Bauherren zwischen Avignon und Prag.
Ein bedeutendes Zeugnis aus dieser Zeit sind die berühmten Wandmalereien im Erd- und in den Obergeschossen der Triton mit der TeufelsgeigeKaiserpfalz die dem Bau seine auch heute überregionale Bedeutung geben. Lambert von Brunn verfügt als Diplomat und Ratgeber Kaiser Karls IV. und später des Sohnes Wenzel IV., wie auch als päpstlicher Kaplan, Finanzmann und Diplomat im Auftrag der Kurie in Avignon über weit reichende politische Beziehungen und beste Kontakte nach Prag. Für die Ausmalung seines Hauses holt der Bischof führende Künstler aus Böhmen.
Zu sehen sind im Erdgeschoss Reste einer allegorischen Ausmalung, im 1. Obergeschoss eine Darstellung der „Anbetung der Könige“, alttestamentarische Prophetenfiguren und die  „Verkündigung an Maria“ in der Hauskapelle. Im daran angrenzenden Saal zeigen seltene weltliche Bildwerke einen „Kranichmenschen“ und einen „Triton mit der Teufelsgeige“.
1399 stirbt Lambert von Brunn in seiner neu errichteten Residenz.
 
Veränderungen ab dem 16. Jahrhundert
 
Bereits 1517 erfolgt unter Bischof Georg III. Schenk von Limpurg (1505-1522) eine Erweiterung der Anlage. Der so genannte Westflügel („Schultheißenbau“) entsteht 1516, die „Kaiserpfalz“ wird zu einer Vierflügelanlage ausgebaut: Der Neubau des nördlichen Westflügels (1558) erfolgt in Fachwerkbauweise.
Die Überbauung von Nord- (1559) und Südmauer (1561) entsteht nach den Ereignissen des Markgrafenkrieges 1552/1553, als es dem Kulmbacher Markgrafen Albrecht Treppenturm zum HauptbauAlkibiades gelang, Forchheim kurzzeitig einzunehmen. Teil des Südflügels ist eine Burgküche, deren mächtige, aus Ziegeln gebaute Kaminhaube (3,5 x 4 Meter) teilweise erhalten ist. 
Viele der Schenk von Limpurg nachfolgenden Bischöfe des 16. und 17. Jh. weilen gerne und oft in Forchheim, was sowohl die Urkunden als auch die weiter ergänzten Wandmalereien und die heute noch vorhandenen Um- und Anbauten bestätigen. Es wird zeitgemäß verändert und modernisiert, je nach den Bedürfnissen der Repräsentation und des privaten Wohnens.
Bischof Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609) veranlasst besonders umfangreiche Umbauten, wie z.B. den Neubau des Treppenturms zum Hauptbau und den Ausbruch der Gewölbe im 1. Obergeschoss.
Nach Gebsattel interessieren sich die Bischöfe des 17. und 18. Jh. kaum noch für die „Kaiserpfalz“ als Nebenresidenz. Nur in Zeiten der Gefahr, so im Dreißigjährigen Krieg, ist sie mehrfach Zentrum des Hochstifts und dient als sicheres Lager für den Bamberger Domschatz und den Kirchenschatz von St. Martin.
 
Kasten- und Rentamt
 
Nachweislich ab 1711 wird die große Kemenate als Kasten- bzw. Rentamt und Speicherbau genutzt. Im 18. Jahrhundert erfolgt die Aufstockung des Ostflügels um ein weiteres Stockwerk, 1786 werden die Stufengiebel durch das heute noch
Nordseite, um 1910
vorhandene Krüppelwalmdach ersetzt. Der Zugang zur Anlage wird von Norden nach Süden verlegt.
Das nach der Säkularisation eingerichtete kurfürstlich bayerische  Rentamt verbleibt bis 1905 in der „Kaiserpfalz“. Etwa 1830 erwacht das bis heute vorhandene Interesse an der Anlage mit der Entdeckung der bis dahin unter Putz verdeckten Wandmalereien. Nach Abbruchgerüchten und Überlegungen zum Einbau einer „Irrenanstalt“ gründet sich ein „historischer Verein“, der sich zum Ziel setzt, die Räumlichkeiten zu erhalten und ein Museum einzurichten: Wenig später – nach einer Innen- und Außensanierung – erhält die „Kaiserpfalz“ 1911 mit der Eröffnung des Pfalzmuseums Forchheim eine neue und angemessene Nutzung.
 
Umfangreiche Sanierungsarbeiten
 
1989 erwirbt die Stadt Forchheim das einstige Schloss. Mittlerweile ist die „Kaiserpfalz“ wegen ihrer einzigartigen Bausubstanz und ihrer Wandmalereien vom Bayerischen Kultusministerium zu einem „Denkmal von nationaler Bedeutung“ eingestuft worden. Das Projekt Treppenturm auf der Nordseite„Kaiserpfalz – Kulturpfalz“ nimmt 1998 Gestalt an: 
Umfangreiche Sanierungsarbeiten werden vom Bamberger Architekturbüro Bauernschmitt (heute: Büro Bauernschmitt, Gleisner Mahnel, Bamberg) durchgeführt. Die neue Haupttreppe mit Lift an der Nordseite sichert heute den Zugang zur Kemenate und allen musealen Bereichen im Sinne des Personenschutzes und für eingeschränkt mobile Personen. Der Technikanbau, ebenfalls im Norden der Anlage errichtet, sichert die Versorgung der Gebäude mit Energie.  
Seit 2004 steht die „Kaiserpfalz“ wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das Pfalzmuseum im Ostflügel ist heute Oberbegriff für drei Spezialmuseen unter einem Dach.
1300 qm Ausstellungsfläche und etwa 500 qm Nutzfläche bieten Platz für das Archäologie-Museum Oberfranken, das Stadt- und das Trachtenmuseum, für Events, Festivals, Märkte und Sonderausstellungen. Im Gewölbekeller wird ein Raum für  museumspädagogische Aktivitäten genutzt. Innenhof und Graben und Erdgeschoss stehen der Öffentlichkeit für Veranstaltungen offen. Den stimmungsvollen Gewölbekeller können Sie für private Feierlichkeiten mieten. Seit 1997 unterstützt ein Förderkreis die "Kaiserpfalz".
 
 2011 feiert das Pfalzmuseum sein 100jähriges Bestehen.
 
Literatur:
 
Kohnert, Tillman: Die Forchheimer Burg genannt „Pfalz“, Geschichte und Baugeschichte einer fürstbischöflich-bambergischen Stadtburg, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2008 Die Forchheimer Burg, genannt "Pfalz"
 
Dümler, Christian: Die Kaiserpfalz Forchheim - Entstehungsgeschichte der bischöflichen Burg im Hochstift Bamberg, in: Pfalzmuseum Forchheim, Festschrift zur Wiedereröffnung, Stadt Forchheim, Forchheim 2004, S. 7 – 10
 
Barbara und Reiner Bauernschmitt: Kaiserpfalz Forchheim – Die letzte Restaurierung: Funktion und Gestaltung, in: Pfalzmuseum Forchheim, Festschrift zur Wiedereröffnung, Stadt Forchheim, Forchheim 2004, S. 11 – 16
 
Pursche, Jürgen: Wandmalereien im Pfalzmuseum zu Forchheim, Überlegungen zur Konservierung und Restaurierung, in: Pfalzmuseum Forchheim, Festschrift zur Wiedereröffnung, Stadt Forchheim, Forchheim 2004, S. 23 – 31
 
Fischer, Susanne: Zur Neukonzeption des Pfalzmuseums, in: Pfalzmuseum Forchheim, Festschrift zur Wiedereröffnung, Stadt Forchheim, Forchheim 2004, S. 33 – 37
 
Förderkreis Kaiserpfalz e.V. (Hrsg.): Die Wandmalereien in der Kaiserpfalz Forchheim, Forchheim, 2007
 
Die genannte Literatur ist im Buchhandel bzw. im Museumsshop des Pfalzmuseum Forchheim erhältlich.