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10 Jahre Städtepartnerschaft mit Broumov / Braunau

Alfred Schwanse (Heimatkreis Braunau), Bürgermeister Milan Kotrnec (Broumov), Dolmetscherin Helga Buhl, Oberbürgermeister Franz Stumpf und Dr. Günter Reichert (Heimatkreis Braunau) bei dem Festakte zum 10jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Broumov / Braunau und Forchheim In einem Festakt am vergangenen Wochenende würdigten die Repräsentanten von Broumov / Braunau in der Tschechischen Republik und Forchheim das zehnjährige Bestehen ihrer Städtepartnerschaft unter voller Einbeziehung des Heimatkreises Braunau / Sudetenland. Der gastgebende Bürgermeister von Broumov Milan Kotrnec umriss in seiner Begrüßung die Gemeinsamkeiten aller Anwesenden bei dieser besonderen Begegnung: Jeder habe einen individuellen Bezug zu dieser Heimat im Braunauer Ländchen, aber jeder empfinde diesen anders und in einer anderen Zeit. „Aber wir sind nicht hier, um die Vergangenheit auf die Waage zu legen, und wir sind auch nicht hier, um sie zu vergessen. Eine Wiederholung vergangener Fehler aus Unkenntnis würde jedoch neues menschliches Versagen, Unglück und Tragödien hervorrufen“, mahnte Kotrnec. Er dankte denjenigen, die den Menschen aus Braunau und der Umgebung eine neue Heimat gegeben haben, ob in Deutschland, in Europa oder in Übersee. Den Abschluss des Städtepartnerschafts-Vertrags zwischen Forchheim und Broumov vor 10 Jahren bezeichnete Kotrnec als den Ausdruck gegenseitigen Respekts und der Bereitschaft zum Aufbau neuer Freundschaften zur Überwindung der Teilung Europas.

Oberbürgermeister Franz Stumpf charakterisierte die erfolgreiche Partnerschaft zwischen Forchheim und Broumov mit drei Bewertungen. Sie sei eine Partnerschaft der Versöhnung, „weil sie sich gerade im Bewusstsein der historischen Ereignisse zwischen 1938 und 1946 zwischen zwei Kommunen des demokratischen Nachkriegsdeutschland und der demokratischen Tschechischen Republik entwickelt hat“. Eine Partnerschaft der Versöhnung aber auch deshalb, „weil die seit 1955 bestehende Patenschaft der Stadt Forchheim mit dem früheren Landkreis Braunau maßgeblich an dieser positiven Entwicklung beteiligt war“. Es handelt sich aber auch um eine Partnerschaft freundschaftlicher und konstruktiver Zusammenarbeit, weil sie von einem regen Kulturaustausch – z. B. durch wechselseitige Ausstellungen tschechischer und deutscher Künstler – begleitet wird. Schließlich sei es eine Partnerschaft der europäischen Freundschaft, „weil Europa gerade dort, wo es 45 Jahre geteilt war, wieder zusammenwachsen muss, nämlich in seiner geographischen Mitte“. Abschließend wies Oberbürgermeister Stumpf darauf hin, dass die jungen Menschen beider Länder offene Fragen an die Geschichte stellen und ehrliche Antworten erwarten und auf dieser Basis freundschaftliche Beziehungen und Kooperationen knüpfen wollen. „Die Partnerschaft zwischen Broumov, Forchheim und dem Heimatkreis Braunau darf für sich in Anspruch nehmen, dieser Entwicklung vorangegangen zu sein.“

In Anwesenheit des Geschäftsführenden Stellvertretenden Vorsitzenden des Heimatkreises Braunau und Vorsitzenden des Partnerschafts-Komitees der Stadt Forchheim, Alfred Schwanse, überbrachte Dr. Günter Reichert – der vor knapp 20 Jahren die Anregung zu dieser „Dreiecks-Partnerschaft“ gegeben hatte – im Namen der Heimatvertriebenen aus dem Braunauer Ländchen die Gratulation an die Städte Broumov und Forchheim zum zehnjährigen Bestehen ihrer Partnerschaft. Das in der Partnerschafts-Urkunde dokumentierte Vorhaben, „die Vorbehalte und Belastungen der Vergangenheit zu überwinden“, sei auf der kommunalen und menschlichen Ebene weitgehend erfüllt worden. „Wir beide lernen zunehmend die innere Belastung unseres Gegenübers zu verstehen. Wie im Spiegelkabinett können Tschechen und Sudetendeutsche die Vorderseiten und die Rückseiten von beiden Partnern betrachten. Dies schafft Vertrauen, vermittelt Verständnis für den anderen und wird letztlich zur Versöhnung führen“, sagte Reichert. Auch das Interesse der beiden Städte und ihre Bereitschaft um die Erhaltung des kulturellen und baugeschichtlichen Erbes der früheren Stadt Braunau habe zu einem positiven Ergebnis geführt. Ebenso wie Oberbürgermeister Franz Stumpf zeigten sich die ehemaligen Braunauer überrascht von verschiedenen Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten an vielen historischen Gebäuden, Kirchen oder Plätzen. Ein besonderes Lob äußerte Reichert auch den Verantwortlichen für eine enge Zusammenarbeit des Braunauer Stadtmuseums mit dem Braunauer Heimatmuseum in Forchheim. Lediglich im Hinblick auf die Absicht, die Freundschaft zwischen den Bürgern beider Städte und den Angehörigen des Heimatkreises Braunau weiter zu vertiefen und auszubauen, sah Reichert Defizite. „Hier sind einer Verwirklichung offensichtlich doch Grenzen gesetzt: durch die weite Entfernung, durch die große sprachliche Barriere, durch eine unterschiedliche soziale und kulturelle Situation der Bürgerschaften beider Städte und durch die Altersstruktur der Braunauer Heimatvertriebenen. Allen drei Partnern dieses Vertragswerks“ – so Reichert – „ist es nicht gelungen, ihre Jugend für die Idee dieser Städtepartnerschaft zu begeistern. Vielleicht gibt ein solches Jubiläum dafür einen neuen Anstoß.“

Die Festveranstaltung war eingebettet in ein freundschaftliches Treffen der Repräsentanten der verschiedensten Städte namens Braunau aus der Tschechischen Republik, aus Österreich, der Schweiz und Hessen sowie mit Nachkommen der Deutschen aus dem Braunauer Ländchen, die im 19. Jahrhundert nach Chile und Brasilien ausgewandert sind und dort Städte bzw. Siedlungen gegründet haben, in deren Bezeichnung der Name Braunau verankert ist.